24.064 Unternehmensinsolvenzen 2025: Warum Gläubiger immer öfter leer ausgehen
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Die Konkursstatistik für 2025 zeigt in Deutschland einen deutlichen Anstieg: 24.064 Unternehmensinsolvenzen wurden registriert. Es ist der höchste Stand seit 2014.
Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das ein Plus von 10,3 %. Im ersten Halbjahr 2026 setzte sich die Entwicklung fort: Mit 12.812 Verfahren wurde der höchste Halbjahreswert seit 2013 erreicht, ein Anstieg von 6,7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei großen Fällen: Großinsolvenzen mit Forderungen über zehn Millionen Euro stiegen 2025 um 27 % auf 481 Verfahren im Schlussquartal, ein Höchststand seit sieben Jahren.
Der Vergleich mit Österreich und der Schweiz
Österreich registrierte 2025 rund 6.810 Unternehmensinsolvenzen im Jahresverlauf; das Insolvenzgeschehen blieb damit auf hohem Niveau, mit einem wachsenden Anteil an Verfahren, die mangels Masse gar nicht erst eröffnet wurden.
In der Schweiz stiegen die Firmenkonkurse 2025 sprunghaft auf 12.485 eröffnete Verfahren. Ein wesentlicher Grund dafür ist eine Gesetzesänderung: Seit Januar 2025 dürfen öffentlich-rechtliche Gläubiger, etwa Sozialversicherungen oder Steuerbehörden, selbst Konkursbegehren stellen.
Warum Gläubiger zunehmend leer ausgehen
Für Gläubiger bedeutet der Anstieg vor allem eines: weniger Geld. Die Gläubigerforderungen in deutschen Insolvenzverfahren sanken 2025 auf 47,9 Milliarden Euro, nach einem höheren Wert im Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Forderungen mit 18,5 Milliarden Euro sogar unter dem entsprechenden Halbjahreswert 2025.
Mehr Verfahren bedeuten damit nicht automatisch mehr Schulden, sondern oft kleinere, aber zahlreichere Fälle, bei denen am Ende wenig bis keine Insolvenzmasse übrig bleibt, aus der sich Gläubiger bedienen können.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Laut IfM Bonn stehen in Deutschland zwischen 2026 und 2030 rund 186.000 Unternehmensübergaben an, während KfW Research bis Ende 2029 rund 569.000 Mittelständler mit Stilllegungsplänen schätzt. Das durchschnittliche Alter der Mittelstandsinhaber lag 2025 bei knapp über 54 Jahren. Wenn Nachfolgen scheitern, drohen zusätzliche Insolvenzen statt geregelter Übergaben.
Was Fachleute aus der Kreditvergabe erwarten
Die Finanzierungslage verschärft die Entwicklung zusätzlich. Im zweiten Quartal 2026 erlebten 40,5 % der kreditsuchenden kleinen und mittleren Unternehmen ihre Bank als restriktiv, ein Rekordwert seit Beginn der Erhebung 2017. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank verschärften Banken im selben Quartal die Kreditstandards für Unternehmenskredite um 10 %.
Wer in einer solchen Lage in Zahlungsschwierigkeiten gerät, findet schwerer eine Anschlussfinanzierung, was Verfahren mangels Masse wahrscheinlicher macht. Immerhin zeigt sich etwa jeder Zweite bis Dritte der Private-Equity-Investoren offen für sogenannte Carve-out-Transaktionen, bei denen einzelne Unternehmensteile aus einer Krise herausgelöst und weitergeführt werden.
Was Schuldner und Gläubiger über das Verfahren wissen sollten
Für betroffene Personen in Österreich gilt ein eigener rechtlicher Rahmen: Privatpersonen durchlaufen dort ein Schuldenregulierungsverfahren, Unternehmen können zwischen Sanierungsverfahren mit oder ohne Eigenverwaltung sowie dem Konkursverfahren wählen.
Ein privates Verfahren mit Abschöpfung dauert in Österreich in der Regel fünf Jahre, während in Deutschland die Restschuldbefreiung seit einer Gesetzesänderung 2020 bereits nach drei Jahren möglich ist.
Im österreichischen Sanierungsplan muss der Schuldner den Gläubigern mindestens 20 % der Schulden innerhalb von fünf Jahren anbieten; lehnen die Gläubiger ab, folgt ein Zahlungsplan und im letzten Schritt das Abschöpfungsverfahren, bei dem der pfändbare Einkommensteil fünf Jahre lang abgetreten wird.