AMS-Chef Kopf gegen Pensionistenverband: Woran sich die Debatte ums Pensionsalter in Österreich entzündet
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Die schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters in Österreich hat die Beschäftigung von Frauen über 60 deutlich erhöht: Rund 58.000 von ihnen arbeiten heute zusätzlich. Gleichzeitig stieg die Zahl der arbeitslosen Frauen über 60 um 7.500 – ein Anstieg, der jetzt eine neue Debatte über das Pensionsalter in Österreich befeuert.
Die Reform wurde vor rund 30 Jahren als Verfassungsgesetz beschlossen und läuft seither in kleinen Schritten: Das gesetzliche Frauenpensionsalter steigt von 60 auf 65 Jahre, bis 2033 soll die Angleichung an das Männerpensionsalter abgeschlossen sein. Genau diese Übergangsphase liefert jetzt die ersten verlässlichen Beschäftigungszahlen für Frauen über 60 – und damit Munition für beide Seiten der politischen Debatte.
Wie viele Frauen über 60 arbeiten heute tatsächlich?
Von allen Frauen über 60, die durch die Anhebung zusätzlich im Erwerbsalter blieben, fanden 88 % den Weg in Beschäftigung. Die übrigen 12 % rutschten in die Arbeitslosigkeit. Rechnerisch stehen den 58.000 zusätzlich Beschäftigten damit 7.500 zusätzliche Arbeitslose gegenüber – ein Verhältnis von etwa sieben zu eins zugunsten der Beschäftigung.
Der Chef des Arbeitsmarktservice, Johannes Kopf, wertet diese Bilanz als größte europäische Pensionsreform und als Beleg dafür, dass ein höheres Pensionsalter mehr Menschen in Arbeit als in Arbeitslosigkeit bringt. Er spricht sich deshalb für eine weitere Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters aus.
Warum streiten AMS und Pensionistenverband über das Pensionsalter?
Der Pensionistenverband Österreichs sieht die 7.500 zusätzlichen Arbeitslosen nicht als Randnotiz. Verbandsvorsitzende Birgit Gerstorfer fordert, zuerst ausreichend Arbeitsplätze für ältere Menschen zu schaffen, bevor über ein noch höheres Pensionsalter diskutiert wird. Sie warnt davor, dass permanente Debatten über eine weitere Anhebung das Vertrauen in das gesetzliche Pensionssystem beschädigen könnten.
Auch der ÖVP-Seniorenbund sieht Handlungsbedarf abseits der reinen Altersgrenze: Verbandspräsidentin Ingrid Korosec verweist darauf, dass ein Viertel der 55- bis 64-Jährigen direkt aus Arbeitslosigkeit oder Krankenstand in die Pension wechselt – ohne je von einem höheren Pensionsalter betroffen zu sein, weil sie vorher aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden.
Was fordern die Parteien jetzt konkret?
Statt der Altersgrenze rückt damit die Situation älterer Arbeitnehmer in Betrieben in den Mittelpunkt. Gerstorfer, Korosec und der Wirtschaftsvertreter Mayrhuber wollen deshalb vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO ein wissenschaftlich fundiertes Bonus-Malus-Modell für Unternehmen ausarbeiten lassen. Die Eckpunkte dafür stehen bereits fest:
- Betriebe mit vielen älteren Beschäftigten oder Neueinstellungen Älterer sollen finanziell profitieren.
- Firmen mit einem auffällig niedrigen Anteil älterer Beschäftigter sollen dagegen stärker zur Kasse gebeten werden.
- Das gesamte Modell soll aufkommensneutral gestaltet werden, also ohne zusätzliche Kosten für den Staat.
- Die konkrete Ausgestaltung soll das WIFO wissenschaftlich begleiten.
Die liberale Oppositionspartei NEOS sieht sich durch die Position von AMS-Chef Kopf bestätigt: Ein höheres Pensionsalter dürfe kein politisches Tabu sein, fordert NEOS-Sprecher Johannes Gasser. Zwischen dieser Forderung und dem Bonus-Malus-Vorschlag des Pensionistenverbands liegt derzeit die Kernfrage der Debatte: Soll zuerst die Nachfrage nach älteren Arbeitskräften steigen, oder zuerst die gesetzliche Altersgrenze?
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.