76,5 Milliarden Euro Steuervergünstigungen: Warum der Bund nur ein Viertel davon ausweist
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Der deutsche Staat verzichtet im Jahr 2026 auf 76,5 Milliarden Euro an Steuereinnahmen durch Vergünstigungen. Das zeigt eine Studie der Forscher Michael Thöne und Christian von Haldenwang. Damit liegt die Summe viermal so hoch wie die 18,4 Milliarden Euro, die die Bundesregierung in ihrem offiziellen Subventionsbericht ausweist.
Die große Differenz zwischen beiden Zahlen hat einen methodischen Grund: Der amtliche Subventionsbericht erfasst nur die Steuerausfälle, die beim Bund selbst anfallen. Vergünstigungen, die Länder und Kommunen über Gemeinschaftssteuern mittragen, bleiben darin unberücksichtigt.
Wie hoch sind die Steuervergünstigungen wirklich?
Für ihre Untersuchung werteten die Forscher 107 Steuervergünstigungen aus, die bereits von der Regierung beziffert werden, und ergänzten sie um 52 weitere, sogenannte subventionsähnliche Tatbestände. Diese breitere Betrachtung treibt die Summe deutlich nach oben.
Schon im Jahr 2025 lagen die auf diese Weise erfassten Steuervergünstigungen bei 74,3 Milliarden Euro. Für 2026 stieg der Wert demnach auf 76,5 Milliarden Euro. Die Studie wurde am 8. Oktober 2026 in Berlin vorgestellt.
Warum weicht die Studie so stark vom Subventionsbericht ab?
Die Differenz entsteht vor allem durch die engere Definition der Bundesregierung. Mehrere Punkte fallen dabei ins Gewicht:
- Der Subventionsbericht zählt nur Steuerausfälle, die direkt beim Bund entstehen.
- Manche Vergünstigungen werden von der Regierung nicht quantifiziert, obwohl sie existieren.
- Länder- und Kommunalanteile an gemeinsamen Steuern fließen nicht in die offizielle Summe ein.
Das Finanzwissenschaftliche Forschungsinstitut an der Universität zu Köln, das an der Studie beteiligt ist, kritisiert zudem enge Abgrenzungen, Transparenzlücken und eine mangelnde Evaluationskultur im System der steuerlichen Subventionen in Deutschland.
Was bedeutet das für den Bundeshaushalt?
Ein konkretes Beispiel aus der Forschung des Instituts zeigt, wie teuer einzelne Regelungen im Detail sein können: Allein die 1-Prozent-Pauschalierungsregel für Dienstwagen kostete den Staat im Jahr 2024 Mindereinnahmen von 4,2 Milliarden Euro. Zugleich verursacht die Regel zusätzliche CO₂-Emissionen von rund 1,68 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Forscher empfehlen daher eine Anhebung des Pauschalsatzes auf 1,7 %.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.