59,2 Prozent Gasspeicher-Füllstand in Deutschland: Warum das EU-Ziel von 80 Prozent verfehlt wird
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In Deutschland lag der Gasspeicher-Füllstand am 8. Oktober 2026 bei 59,2 Prozent – deutlich unter dem EU-weiten Durchschnitt. Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur wird das gesenkte EU-Speicherziel bis Anfang November voraussichtlich verfehlt. Grund sind nach Angaben der europäischen Gasnetzbetreiber hohe Weltmarktpreise, die Einspeicherungen unattraktiv machen.
Woher die Zahl kommt
Die Gasspeicher der Europäischen Union waren am 9. Oktober 2026 zu 72 Prozent gefüllt, wie Zahlen der europäischen Gasnetzbetreiber zeigen. Deutschland liegt mit 59,2 Prozent klar darunter, Österreich mit gut zwei Dritteln seiner Kapazität ebenfalls unter dem EU-Durchschnitt. Nach Angaben der Bundesnetzagentur waren die täglichen Einspeichermengen zuletzt teilweise gering.
Österreich muss als sogenanntes speicherloses Land das EU-Ziel von 80 Prozent nicht erfüllen. Für das Land gilt stattdessen eine Vorgabe von 35 Prozent des durchschnittlichen jährlichen Gasverbrauchs der vergangenen fünf Jahre.
Das EU-Ziel ist selbst schon gesenkt worden
Ursprünglich schreiben die EU-Regeln vor, dass Mitgliedstaaten ihre Speicher zwischen 1. Oktober und 1. Dezember zu 90 Prozent füllen. Die Europäische Kommission erlaubt bei schwierigen Marktbedingungen jedoch eine Reduzierung auf 80 Prozent. Bei anhaltend ungünstigen Bedingungen kann der Füllstand für eine Saison sogar um weitere 5 Prozentpunkte niedriger liegen.
Die Kommission begründet die gesenkte Zielvorgabe mit den aktuellen Marktbedingungen und der Befürchtung hoher Preise. Nach einer Erhebung von Gas Infrastructure Europe lag der europäische Füllstand zuvor bei 61,1 Prozent der Kapazität – rund 13 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert zum selben Zeitpunkt.
Woran das liegt
Als Hauptgrund für die niedrigen Speicherstände gilt die wirtschaftliche Unrentabilität von Gasimporten und -speicherung, da die Weltmarktpreise derzeit hoch sind. Zurückgeführt werden die hohen Preise auf einen Krieg zwischen Iran und Israel, der seit Ende Februar 2026 andauert und die Schifffahrt durch die Straße von Hormus beeinträchtigt.
Hinzu kommen jüngste Hitzewellen, die das Stromsystem der EU zusätzlich stark belastet haben. Beides zusammen erschwert laut den Netzbetreibern eine zügige Befüllung der Speicher vor dem Winter.
Was Fachleute erwarten
Nach Modellrechnungen des Marktanalyse-Unternehmens Montel könnte der Füllstand der europäischen Speicher bis zum 1. November im ungünstigeren Fall auf rund 69 Prozent sinken. Bei günstigeren Bedingungen hält Montel bis zu 84 Prozent für möglich. Auch für Deutschland zeichnet sich demnach ein niedrigerer Speicherstand ab.
Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet dennoch nicht mit einer Gasmangellage im kommenden Winter. Nach eigenen Angaben arbeitet die Bundesregierung bereits an möglichen Maßnahmen, um im Fall einer schlechteren Versorgungslage reagieren zu können.
Auch die europäischen Gasnetzbetreiber (Entsog) sehen aktuell keine Gefahr für die Versorgung im Winter, da LNG-Terminals ausreichend Flexibilität böten, um niedrige Speicherstände teilweise auszugleichen. Bleiben Lieferungen jedoch aus, könnten die Speicher bis zum Ende des Winters so gering werden, dass die Befüllung im folgenden Sommer erschwert wird.