Beispiel
Eine in der Fachzeitschrift „Lancet“ erschienene Analyse zu Alkohol ergab: Von 100.000 Menschen ohne Alkoholkonsum hatten 914 innerhalb eines Jahres eines von 23 alkoholbezogenen Gesundheitsproblemen. Bei einem Drink pro Tag waren es 918. Beides sind absolute Risiken, also rund 0,914 und 0,918 Prozent. Der absolute Anstieg beträgt 4 von 100.000 Menschen oder 0,004 Prozentpunkte.
In den Medien stand der Wert „0,5 Prozent mehr“. Der ist ein relativer Anstieg. Erst die absoluten Zahlen zeigen, dass unter 100.000 Menschen nur 4 zusätzliche Fälle gemeint sind.
Der häufige Irrtum
Ein absolutes Risiko ohne Zeitraum sagt wenig. 1 Prozent pro Jahr klingt klein. Bleibt die Gefahr gleich, summiert sie sich aber über zehn Jahre auf rund 9,6 Prozent, denn 0,99 hoch 10 ergibt 0,904. Fragen Sie deshalb immer: Bei wem, und in welcher Zeit?
Warum Differenzen dazugehören
Vergleicht man zwei Gruppen, heißt die Differenz der absoluten Risiken absolute Risikoänderung. Sterben ohne Behandlung 30 von 100 und mit Behandlung 20 von 100, beträgt die absolute Risikoreduktion 10 Prozentpunkte. Genau genommen sind es Punkte und nicht Prozent, auch wenn das in Texten oft unscharf steht. Der Kehrwert sagt, wie viele Menschen behandelt werden müssen, damit einer profitiert: bei 10 Prozentpunkten sind es 1 geteilt durch 0,1, also 10.
Warum Fachleute es bevorzugen
Die Leitlinie Evidenzbasierte Gesundheitsinformation empfiehlt laut Krebsinformationsdienst, absolute Risiken und natürliche Häufigkeiten wie „3 von 1.000“ zu verwenden. So bleibt immer erkennbar, um wie viele Menschen es geht.
Quellen
- IQWiG, Glossar: Absolutes Risiko als Wahrscheinlichkeit bei einem Menschen in einer bestimmten Zeit
- IQWiG, Glossar: Absolute Risikoreduktion und Number needed to treat
- Harding-Zentrum, Unstatistik des Monats August 2018: 914 und 918 von 100.000, relative und absolute Angabe
- Krebsinformationsdienst (DKFZ): Empfehlung für absolute Risiken und natürliche Häufigkeiten