Beispiel
In einem Land sind 42 Millionen Menschen erwerbstätig, 3 Millionen sind arbeitslos. Die Bezugsgröße sind beide Gruppen zusammen, also 45 Millionen. 3 geteilt durch 45 ergibt rund 6,7 %. Die Bevölkerung insgesamt spielt keine Rolle: Kinder, Rentner und Studierende, die nichts suchen, stehen weder im Zähler noch im Nenner.
Der häufige Irrtum
Es gibt nicht die eine Quote. Die Monatszahl aus den Nachrichten ist in Deutschland meist die der Bundesagentur für Arbeit, gezählt werden dort gemeldete Personen. Die Vergleichszahl der EU beruht auf einer Befragung nach den Regeln der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Beide Werte liegen auseinander und lassen sich nicht direkt gegeneinander lesen.
Warum zwei Zählungen verschiedene Menschen erfassen
Bei der ILO-Zählung ist erwerbstätig, wer in der Woche mindestens eine Stunde gegen Bezahlung gearbeitet hat. Erwerbslos ist, wer nicht arbeitet, in den letzten vier Wochen aktiv gesucht hat und binnen zwei Wochen anfangen könnte. Eine Meldung beim Amt ist dafür nicht nötig. Umgekehrt kann jemand mit zehn Wochenstunden in Deutschland bei der Arbeitsagentur als arbeitslos geführt sein, bei der ILO aber als erwerbstätig zählen, denn die Grenze der Agentur liegt bei 15 Stunden.
In Österreich kommt ein Unterschied im Nenner hinzu. Das AMS teilt die vorgemerkten Arbeitslosen durch die Summe aus Arbeitslosen und unselbstständig Beschäftigten. Selbstständige fehlen also im Nenner, was die nationale Quote erhöht. Das AMS weist deshalb darauf hin, dass die internationale Quote stets niedriger ist als die Registerquote.
Quellen
- Statistisches Bundesamt, Erwerbslose: Merkmale nach ILO und Abgrenzung zu Arbeitslosen
- Statistisches Bundesamt, Erwerbstätige: Grenze von einer Stunde je Woche
- Bundesagentur für Arbeit, Glossar: Arbeitslosenquote und Bezugsgröße
- § 16 SGB III: wer als arbeitslos gilt
- § 138 SGB III: Grenze von 15 Wochenstunden
- AMS, Fachbegriffe: Register- und internationale Arbeitslosenquote