Beispiel
Ein Preisindex steht heute bei 103. Vor einem Jahr stand er normalerweise bei 100, was 3 Prozent ergäbe. Lag er in genau jenem Monat wegen einer befristeten Steuersenkung bei nur 98, lautet die gemeldete Rate 5,1 Prozent. Der heutige Preis ist derselbe, nur der Vergleichswert ist ein anderer.
Der häufige Irrtum
Ein Basiseffekt ist kein Rechentrick, der Teuerung vortäuscht. Die Rechnung stimmt, und die Preise sind tatsächlich höher als vor einem Jahr. Er erklärt nur, warum die Rate gerade jetzt springt, obwohl sich die Preise in den letzten Monaten vielleicht kaum bewegt haben. Fällt der ungewöhnliche Monat aus dem Vergleich heraus, verschwindet der Effekt von selbst.
Der Fall aus Deutschland
Ab 1. Juli 2020 senkte die Bundesregierung für ein halbes Jahr die Mehrwertsteuer. Die Inflationsrate überschritt im ganzen zweiten Halbjahr 2020 die Nulllinie nicht. Im Januar 2021 galten im Wesentlichen wieder die alten Sätze, mit Ausnahmen wie der Gastronomie. Von Juli bis Dezember 2021 verglich die Statistik dann mit den verbilligten Monaten des Vorjahres. Nach Angabe des Statistischen Bundesamts konnte das die monatlichen Raten um bis zu einen Prozentpunkt erhöhen.
Ähnlich bei Heizöl und Kraftstoffen: Im Mai 2021 lag die Jahresrate bei rund 29 Prozent, auch weil der Mai 2020 ein Tiefpunkt der Ölpreise war. Gleiches gilt in die Gegenrichtung: War ein Vorjahresmonat besonders teuer, drückt der Vergleich die Rate nach unten.