Beispiel
Die Inflationsrate fällt in drei Jahren von 3,6 über 2,5 auf 1,3 Prozent. Das klingt nach Entspannung. Ein Preisindex, der bei 100 beginnt, steigt dabei aber auf 103,6, dann auf 106,2 und schließlich auf 107,6. Am Ende liegt das Preisniveau so hoch wie nie in dieser Reihe, obwohl die Rate jedes Jahr gesunken ist.
Der häufige Irrtum
Disinflation wird oft mit Deflation verwechselt. Bei Disinflation steigen die Preise weiter, nur das Tempo lässt nach. Bei Deflation sinkt das Preisniveau selbst, und zwar über längere Zeit. Der Unterschied lässt sich am Vorzeichen ablesen: Disinflation bleibt im Plus.
Warum sich Disinflation im Alltag nicht nach Entlastung anfühlt
Was einmal teurer geworden ist, wird durch eine sinkende Rate nicht wieder billiger. Die höheren Preise bleiben im Niveau enthalten, die neue, niedrigere Rate kommt obendrauf. Deshalb können Meldungen über nachlassende Inflation und das Gefühl hoher Preise gleichzeitig stimmen. Für die Kaufkraft kommt es darauf an, ob die Einkommen seit dem Preissprung mitgezogen haben.