Beispiel
In einer Region suchen Kliniken 100 Pflegefachkräfte, gemeldet sind 30 passende Bewerberinnen. Gleichzeitig suchen 200 Menschen im Lager Arbeit, wo es 50 Stellen gibt. Zusammengezählt stehen 150 Stellen 230 Suchenden gegenüber, es gäbe also rechnerisch genug Menschen. Trotzdem fehlen in der Pflege 70 Fachkräfte. Die Lagerkräfte können die Lücke nicht einfach füllen.
Der häufige Irrtum
Fachkräftemangel und hohe Arbeitslosigkeit schließen sich nicht aus. Die Bundesagentur für Arbeit stellt für Deutschland fest, dass man pauschal weder von allgemeinem Arbeitskräftemangel noch von umfassendem Fachkräftemangel sprechen kann: Im vierten Quartal 2024 gab es rund 1,4 Millionen offene Stellen, im Jahresschnitt 2024 rund 2,8 Millionen Arbeitslose. Das Problem liegt darin, dass Qualifikation, Beruf und Ort nicht zusammenpassen.
Woran ein Engpass gemessen wird
Die jährliche Engpassanalyse der Bundesagentur stützt sich nicht auf eine einzige Zahl. Sie bewertet Berufe unter anderem danach, wie lange gemeldete Stellen unbesetzt bleiben, wie viele Arbeitsuchende auf eine Stelle kommen, wie hoch die Arbeitslosenquote im Beruf ist und wie sich die Entgelte entwickeln. Helfertätigkeiten bleiben außen vor. Gemeldet ist zudem nicht jede offene Stelle, deshalb weichen solche Werte von Befragungen unter Betrieben ab.
Österreich hat dafür einen rechtlichen Mechanismus: Besteht ein längerfristiger Bedarf, den das Inland nicht decken kann, legt das zuständige Ministerium per Verordnung für das folgende Jahr Mangelberufe fest, in denen Fachkräfte aus dem Ausland zugelassen werden können.