Hunderte Supermärkte in Frankreich: Warum ein Hackerangriff auf Kühlanlagen so teuer wurde
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Ein Cyberangriff auf Supermärkte in Frankreich hat in der Nacht zum Montag Kühl- und Tiefkühlanlagen in Hunderten Filialen manipuliert. Die Temperaturen stiegen vielerorts auf bis zu 50 Grad Celsius, in einem Intermarché in La Haye sollen es stellenweise sogar 80 Grad gewesen sein.
Les-Mousquetaires-Chef Thierry Cotillard geht davon aus, dass sich die Schäden im gesamten Land auf mehrere zehn Millionen Euro belaufen – verursacht an einem einzigen Tag.
Bei der zu Les Mousquetaires gehörenden Kette Intermarché waren rund 150 Filialen betroffen, die Kühlanlagen liefen dort über etwa sechs Stunden auf 50 Grad. Insgesamt sollen rund 300 Märkte der Unternehmensgruppe betroffen gewesen sein. Bei Carrefour meldeten sich 80 Märkte, bei der Coopérative U rund 100 Filialen und bei Monoprix rund 30 Geschäfte.
Die Zahl und woher sie stammt
Einzelne Betreiber haben die Verluste bereits beziffert. Der Betreiber eines Intermarché-Marktes in Gradignan gab den Wert der verdorbenen Ware mit 21.000 Euro an, berechnet zu Einkaufspreisen. In Haguenau musste ein Intermarché Tiefkühlware im Gegenwert von rund 50.000 Euro vernichten, während ein dort ansässiger E.Leclerc-Markt seinen Schaden mit etwa 220.000 Euro bezifferte.
Nach Angaben aus dem Umfeld der Kühlanlagen-Hersteller könnten die Schäden in einzelnen Geschäften sechsstellige Beträge erreichen. Eine abschließende, geprüfte Gesamtsumme für alle betroffenen Ketten liegt bislang nicht vor.
Carrefour betreibt 6.000 Läden, nur ein Bruchteil war betroffen
Carrefour betreibt in Frankreich insgesamt rund 6.000 Läden, von denen nach eigenen Angaben 80 betroffen waren – ein kleiner Teil des Gesamtnetzes.
Ein Cybersicherheitsanalyst berichtete zudem von ähnlichen Auswirkungen in Spanien, Portugal, Polen, Deutschland und Belgien; eine umfassende behördliche Bestätigung für alle genannten Länder liegt bislang jedoch nicht vor. Die Pariser Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen, die zuständige Cyberkriminalitäts-Abteilung prüft den Fall.
Wie die Hacker in die Kühlsteuerung eindrangen
Die Angreifer aktivierten offenbar die automatische Abtaufunktion der Kühlanlagen und stellten eine Temperaturvorgabe von 50 Grad ein. Statt zu kühlen, gaben die Systeme über Stunden Wärme ab, die Kühlkette wurde dadurch unterbrochen.
Als möglicher Angriffspunkt gilt die Steuerungssoftware des dänischen Herstellers Danfoss, dessen Technik in vielen Supermarkt-Kühlsystemen verbaut ist. Nach Darstellung von Danfoss lief auf den betroffenen Geräten eine veraltete Firmware-Version; das Unternehmen dringt schon seit geraumer Zeit darauf, dass Kunden ihre Systeme aktualisieren.
Schon im August hatte das IT-Sicherheitsunternehmen Claroty auf Sicherheitslücken in der Kühlsteuerungstechnik von Danfoss hingewiesen, worauf der Hersteller ein entsprechendes Update veröffentlichte. Ob die Angreifer genau diese bekannten Schwachstellen ausnutzten, ist bislang nicht geklärt. Auch die Identität der Angreifer ist weiterhin unklar.
Was Fachleute und Betroffene erwarten
Les Mousquetaires erklärte, der Angriff habe sich gegen einen dänischen Software-Dienstleister gerichtet, dessen Systeme mehrere Lebensmittelhändler einsetzen; der genaue Name wurde nicht genannt.
Intermarché wies zudem darauf hin, dass derartige Schäden durch Kühlanlagen-Manipulation nicht von den bestehenden Versicherungen abgedeckt seien. Zusätzlich wurde von mehreren Bränden berichtet, die im Zusammenhang mit den Störungen auftraten; ein Nachweis, dass diese tatsächlich auf die manipulierte Technik zurückgehen, steht bislang aus.
Zusammenfassung in Zahlen
- Rund 150 Intermarché-Filialen waren laut Les Mousquetaires betroffen, die Kühlanlagen liefen dort rund sechs Stunden auf 50 Grad.
- 80 Carrefour-Märkte meldeten Störungen, bei einem Gesamtnetz von rund 6.000 Filialen.
- Rund 100 Filialen der Coopérative U und etwa 30 Geschäfte von Monoprix waren ebenfalls betroffen.
- Einzelne Filialen bezifferten ihre Verluste auf 21.000 bis 220.000 Euro, landesweit rechnet Les Mousquetaires mit mehreren zehn Millionen Euro Schaden.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.