7.100 Beschwerden, 62 % mehr: Die Inkasso-Beschwerden-Statistik der Verbraucherzentralen
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Die Verbraucherzentralen haben im ersten Halbjahr 2026 bundesweit 7.100 Beschwerden über Inkassounternehmen registriert. Das sind 62 % mehr als im Vorjahreszeitraum, zeigt die aktuelle Inkasso-Beschwerden-Statistik. Der häufigste Vorwurf: Die zugrunde liegende Forderung existiert aus Sicht der Betroffenen gar nicht.
- 7.100 Beschwerden im ersten Halbjahr 2026, ein Plus von 62 % gegenüber dem Vorjahr
- 61 % der Beschwerden richten sich gegen die Hauptforderung selbst
- Datenbasis: rund 200 Beratungsstellen aller 16 Verbraucherzentralen
- Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert eine schärfere Aufsicht über die Branche
Die Zahl im Detail: Woher die Inkasso-Beschwerden-Statistik stammt
Die 7.100 erfassten Fälle stammen aus rund 200 Beratungsstellen aller 16 deutschen Verbraucherzentralen. Die Statistik zeigt damit, wie viele Menschen sich wegen Inkassoproblemen beraten lassen haben – sie erlaubt aber keine direkten Rückschlüsse darauf, wie häufig solche Probleme in der Gesamtbevölkerung tatsächlich vorkommen.
Trotz dieser Einschränkung gilt die Inkasso-Beschwerden-Statistik als wichtigster verfügbarer Indikator für die Entwicklung der Branche, weil sie bundesweit und über alle Verbraucherzentralen hinweg erhoben wird.
Der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt ein klares Muster
Der Anstieg um 62 % fällt deutlich aus. Besonders auffällig: 61 % aller Beschwerden betreffen den Vorwurf, dass die Hauptforderung gar nicht bestehe. Verbraucher gaben demnach an, die Begründung einer Forderung nicht nachvollziehen zu können oder den angegebenen Vertragspartner gar nicht zu kennen. In einigen Fällen wurden Forderungen sogar für bereits widerrufene Verträge oder retournierte Waren gestellt.
Eine ergänzende Untersuchung zu Verbraucherbeschwerden fand heraus, dass ein einzelnes Unternehmen, die Deutsche Zentral Inkasso GmbH, für 40 % aller untersuchten Beschwerden verantwortlich war. 15 % der Beschwerden betrafen zudem Inkassounternehmen, die gar nicht registriert waren. Insgesamt waren in dieser Untersuchung 116 verschiedene Inkassounternehmen beteiligt.
Woran der Anstieg der Inkasso-Beschwerden liegt
Ein zentraler Kritikpunkt ist die Höhe der Zusatzkosten. In etwa der Hälfte der untersuchten Fälle verlangten Inkassounternehmen Gebühren, Auslagen oder Zinsen, die für Verbraucher nicht nachvollziehbar waren. Die ursprünglichen Hauptforderungen summierten sich in der Untersuchung auf rund 490.000 Euro, durch Zusatzkosten wuchsen die Gesamtforderungen auf etwa 750.000 Euro an.
Die Spanne reicht bis ins Absurde: In einem dokumentierten Fall wurde für eine Hauptforderung von 20,84 Euro eine Zahlung von 1.200 Euro verlangt. In einem anderen Fall drohte ein Inkassounternehmen wegen einer Forderung von 15,87 Euro mit der Beauftragung einer Detektei zur Auskundschaftung von Vermögens- und Arbeitsverhältnissen. Etwa drei Viertel der befragten Verbraucher gaben an, sich von solchen Schreiben bedroht und eingeschüchtert zu fühlen.
Was Fachleute von der Aufsicht über Inkassounternehmen erwarten
Der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert, dass Inkassounternehmen ihre Forderungen bislang nicht ausreichend nachvollziehbar erklären müssen. Zwar müssen registrierte Dienstleister seit der Inkassoreform von 2021 bei der ersten Forderung Angaben zu Forderungsgrund, Hauptforderung, Zinsen und Inkassokosten machen. Diese Reform habe laut Verband zumindest besonders hohe Zusatzkosten eingedämmt.
Dennoch moniert der Verband wirtschaftliche Fehlanreize, die es Inkassounternehmen weiterhin ermöglichten, viel Geld zu verdienen. Zuständig für die Kontrolle ist in Deutschland zentral das Bundesamt für Justiz, daneben gibt es bundesweit rund 80 weitere Aufsichtsbehörden. Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein ergab, dass bundesweit in nur zwei Fällen einem Inkassounternehmen aufgrund von Verbraucherbeschwerden die Zulassung entzogen wurde.
In Deutschland gibt es etwa 750 zugelassene Inkassounternehmen, zwei Drittel davon sind im Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen organisiert. Dieser bearbeitete 2025 nach eigenen Angaben 1.840 Beschwerden über seine Beschwerdestelle; von 487 Beschwerden gegen die Hauptforderung erwiesen sich lediglich 18 als berechtigt. Der Branchenverband gibt an, dass die in ihm organisierten Unternehmen jährlich ein Forderungsvolumen von über 24 Milliarden Euro bewegen.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert deshalb gesetzliche Informationspflichten, verlässliche Gebührenvorgaben und eine schlagkräftigere Aufsicht, die Verstöße aktiv verfolgt statt erst nach Beschwerden zu reagieren. Auch der Bundesrat und die Verbraucherschutzministerkonferenz verlangen konkrete Maßnahmen gegen unseriöses Inkassogebaren. Aus Sicht des Verbands bieten die berufsrechtlichen Richtlinien des Bundesverbandes Deutscher Inkassounternehmen bislang weder eine Gebührenordnung noch konkrete Informationspflichten.
Zusammenfassung in Zahlen
- 7.100 Beschwerden bei Verbraucherzentralen im ersten Halbjahr 2026, +62 % zum Vorjahr
- 61 % der Beschwerden richten sich gegen die Hauptforderung
- Etwa 50 % der untersuchten Fälle enthielten nicht nachvollziehbare Zusatzkosten
- 750 zugelassene Inkassounternehmen, aber nur 2 dokumentierte Zulassungsentzüge
- 24 Milliarden Euro jährliches Forderungsvolumen allein der Verbandsmitglieder