Lehrlinge in Österreich 2025 auf 50-Jahres-Tief: Warum die teurere Alternative wächst
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Ende 2025 gab es in Österreich nur noch 102.878 Lehrlinge, den niedrigsten Stand der vergangenen 50 Jahre. Das geht aus einem Bericht hervor, den das Parlament im Juli 2026 veröffentlichte. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Lehrlinge in der staatlich finanzierten überbetrieblichen Ausbildung, während die Betriebe selbst immer weniger ausbilden.
102.878 Lehrlinge: der niedrigste Stand seit 50 Jahren
Davon befanden sich laut dem Parlamentsbericht rund 30.652 im ersten Lehrjahr. Besonders stark ging die Zahl in der Sparte Information und Consulting zurück, dort sank sie um 11,5 %. Im Handel waren es 7,7 % weniger Lehrlinge. Parallel dazu stieg die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen 2025 auf rund 7,3 %, also auf etwa jeden Vierzehnten.
Warum ein Lehrling in der überbetrieblichen Ausbildung mehr als 23.000 Euro kostet
Laut einem Bericht der Tageszeitung Die Presse sank die Zahl der Lehrlinge in Ausbildungsbetrieben bis Ende September 2026 um 4,3 % auf rund 95.000. Gleichzeitig stieg die Zahl der Lehrlinge in der überbetrieblichen Ausbildung im Auftrag des Arbeitsmarktservice um 5 % auf rund 6.000.
Bei den Lehranfängern ist der Gegensatz demnach noch deutlicher: In Betrieben sank ihre Zahl 2026 um knapp ein Zwanzigstel auf 28.100, in der überbetrieblichen Ausbildung stieg sie um 7,4 % auf 3.100.
Die überbetriebliche Ausbildung ist dabei deutlich teurer: Laut Wirtschaftskammer Österreich kostet ein Lehrling in diesem Modell die Steuerzahler über 23.000 Euro im Jahr, mehr als das Dreifache eines Lehrlings im Betrieb.
Demnach gibt es zudem ein regionales Ungleichgewicht: In Wien übersteigt die Zahl der Lehrstellensuchenden die der offenen Stellen um 5.163 Personen, während es in Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Kärnten zusammen 3.800 mehr offene Lehrstellen als Bewerber gibt.
Kleinbetriebe bilden heute halb so viele Lehrlinge aus wie 2010
Eine Analyse der Agenda Austria zeigt, wie ungleich der Rückgang verteilt ist. Zählte man 2010 noch etwa 130.000 Lehrlinge in Österreich, waren es 2025 nur noch rund 103.000.
Besonders betroffen sind Kleinstbetriebe mit 1 bis 9 Beschäftigten: Dort fiel die Lehrlingszahl im gleichen Zeitraum von etwa 28.000 auf nur noch rund 13.000, also auf beinahe die Hälfte. In Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten sank sie von rund 39.000 auf 27.000, in Betrieben mit 50 bis 249 Beschäftigten von 25.000 auf 20.000.
Nur Großbetriebe mit 250 und mehr Beschäftigten bilden heute mehr Lehrlinge aus als 2010: Ihre Zahl stieg von rund 38.000 auf 43.000. Agenda Austria nennt dafür mehrere Gründe: Es gibt demografisch weniger junge Menschen, und ein wachsender Anteil entscheidet sich für schulische oder akademische Wege statt für eine Lehre.
Zusätzlich belasten bürokratische Anforderungen kleine Betriebe überproportional, und ein Lehrling, der lange mehr kostet als er nützt, wiegt für einen Kleinbetrieb schwerer als für einen Konzern.
Was der Rückgang für den Arbeitsmarkt bedeutet
Der Anteil der Fünfzehnjährigen, die eine Lehre beginnen, sank 2024 gegenüber dem Vorjahr von rund 40 % und lag 2025 nur noch bei 34,7 %. Der Parlamentsbericht nennt für Zehntklässler einen Anteil von rund 36 %, der innerhalb weniger Jahre von 40 % gefallen ist.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.