228 Euro weniger Miete: Warum gemeinnützige Wohnungen günstiger sind
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Wer in einer Wohnung einer gemeinnützigen Bauvereinigung lebt, zahlt im Schnitt 228 Euro weniger Miete im Monat als für eine vergleichbare private Wohnung. Das zeigt eine Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) zu den ökonomischen Wirkungen des gemeinnützigen Wohnbaus in Österreich. Damit liegen Mieten gemeinnütziger Wohnungen im Durchschnitt rund ein Viertel unter dem privaten Niveau.
Die Untersuchung reiht sich in eine Reihe früherer Analysen ein: Bereits 2021 hatte das WIFO die wirtschaftliche Bedeutung gemeinnütziger Bauvereinigungen erstmals berechnet. Seither hat diese laut der Studie deutlich zugenommen, weil private Mieten durch hohe Inflation und ein verändertes Zinsumfeld kräftig gestiegen sind, während die Kostenmieten im gemeinnützigen Sektor nur moderat anzogen.
Woher stammt die Zahl von 228 Euro?
Grundlage der Studie ist ein Vergleich der tatsächlich gezahlten Mieten in gemeinnützigen und privaten Wohnungen mit ähnlicher Lage, Größe und Ausstattung. Daraus ergibt sich der monatliche Mietvorteil von durchschnittlich 228 Euro je Haushalt.
Hochgerechnet auf alle gemeinnützigen Wohnungen in Österreich ergibt das einen jährlichen Wohnkostenvorteil von rund 2,5 Milliarden Euro, der auch preisdämpfende Effekte auf den gesamten privaten Mietmarkt berücksichtigt.
Dieser Dämpfungseffekt lässt sich auch gesondert beziffern: Steigt der Anteil gemeinnütziger Wohnungen in einer Region um zehn Prozentpunkte, sinken laut der Studie die privaten Mieten um durchschnittlich 0,30 Euro pro Quadratmeter. Mehr gemeinnützige Wohnungen wirken damit indirekt auf den gesamten Markt, nicht nur auf die eigenen Mieter.
Wie stark unterscheidet sich der Effekt zwischen den Bundesländern?
Der Mietvorteil fällt regional unterschiedlich aus und ist dort am größten, wo der Wohnungsmarkt besonders angespannt ist. In dicht besiedelten Gemeinden liegt er laut der Studie generell höher als in ländlichen Regionen. Am stärksten zeigt er sich in diesen vier Bundesländern:
- In Tirol beträgt der Mietvorteil pro Quadratmeter rund 5,0 Euro und damit den höchsten Wert aller Bundesländer.
- In Wien liegt der Effekt bei etwa 4,7 Euro pro Quadratmeter.
- Salzburg und Vorarlberg weisen jeweils rund 4,5 Euro pro Quadratmeter auf.
- In Neubauten, die seit 2011 errichtet wurden, beträgt der Vorteil ebenfalls rund 4,5 Euro pro Quadratmeter.
Nach Einschätzung von Verbandsobleuten, die in der Studie zitiert werden, kommt ein besonders großer Teil dieses Vorteils Haushalten mit niedrigeren Einkommen zugute.
Was bedeutet das für die Gesamtwirtschaft?
Die Studie rechnet den Effekt auch volkswirtschaftlich durch: Niedrigere Wohnkosten bedeuten mehr Kaufkraft für Haushalte, die diese anderswo ausgeben können. Daraus ergibt sich laut WIFO ein positiver Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt von bis zu 2 Milliarden Euro pro Jahr.
Zusätzlich entlastet der gemeinnützige Wohnbau die öffentlichen Haushalte, weil weniger Wohnbeihilfe und Sozialhilfe nötig sind: Die Studie beziffert diese Einsparung auf rund 280 Millionen Euro jährlich.
Zum Vergleich: Die gesamten österreichischen Ausgaben für Wohnbeihilfen liegen derzeit bei etwa 300 Millionen Euro im Jahr. Getragen wird dieser Effekt von 173 gemeinnützigen Wohnbauträgern, die in Österreich mehr als eine Million Wohnungen für über zwei Millionen Bewohner bereitstellen.
Experten und Verbandsvertreter fordern laut der Studie zudem eine Offensive für den gemeinnützigen Wohnbau, um das im Regierungsprogramm vorgesehene WGG-Paket umzusetzen.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.