9 Millionen Menschen, 121 Studien: Was sie über Social Media Sucht zeigen
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Eine Übersichtsarbeit, die 121 Studien mit Daten von rund neun Millionen Menschen unter 25 Jahren zusammenführt, legt einen Zusammenhang zwischen suchtartigen Mustern bei der Nutzung sozialer Medien und psychischen Belastungen, gestörtem Schlaf sowie geringerer körperlicher Aktivität nahe. Die Politologin Barbara Prainsack von der Universität Wien ordnet die Zahlen ein und mahnt, ein geplantes Social-Media-Verbot für Kinder löse das Problem nicht allein.
Social-Media-Sucht in Zahlen
Ein eindeutiger Ursache-Wirkungs-Zusammenhang lässt sich aus der Studie allein nicht ableiten, doch die Größe der Datenbasis gilt als bemerkenswert für die Forschung zu Social-Media-Sucht.
Die Risiken für Jugendliche
Den Forschenden zufolge besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen einem suchtartigen Umgang mit digitalen Medien und einer höheren Wahrscheinlichkeit für psychische Belastungen. Hinzu kommen schlechterer Schlaf und geringere körperliche Aktivität bei jungen Nutzerinnen und Nutzern. Wer die Medien dagegen in Maßen nutzte, wies tendenziell ein höheres Wohlbefinden und in Teilen gesündere Lebensgewohnheiten auf.
Jugendschutz digital allein reicht nicht
Prainsack bewertet Altersgrenzen für Social Media als wichtiges, aber nicht ausreichendes Element im Jugendschutz digital. Sie vergleicht die Wirkung mit Altersgrenzen bei Zigaretten und Alkohol: Ein Verbot sendet ein Signal und erzeugt Druck auf Plattformen, auch wenn es sich umgehen lässt. Altersprüfungen müssten datenschutzfreundlich bleiben und dürften weder zusätzliche sensible Daten über Kinder erzeugen noch eine Identifizierung aller Nutzer verlangen. Sie fordert zudem eine adaptive Regulierung, die bei neuen Erkenntnissen nachjustiert werden kann.
Vorbild Tabakindustrie
Prainsack vergleicht die Geschäftsmodelle von Digitalkonzernen mit jenen der Tabakindustrie: Zweifel an der Evidenz streuen, Kritiker diskreditieren und Regulierung als Freiheitseinschränkung darstellen, seien ähnliche Strategien. Das Risiko durch digitale Mediennutzung sei nach Einschätzung der Forschenden groß genug, um sofort zu handeln, statt auf einen vollständigen Kausalbeweis zu warten.
Globale Forderungen
Die Expertinnen und Experten fordern internationale Rahmenverträge ähnlich jenen der WHO zur Tabakkontrolle sowie ein globales Verbot suchterzeugender Funktionen in sozialen Medien. Prainsack nennt dabei den sogenannten Brüssel-Effekt als mögliches Instrument: Der EU-Binnenmarkt sei groß genug, um Digitalkonzerne zur Anpassung an strengere Vorschriften zu bewegen.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.