17 von 1.400 Kilometern: Die Zahlen zur Zwangsarbeit beim Autobahnbau
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Eine Studie der Universität Wien im Auftrag der Asfinag dokumentiert erstmals systematisch die Zwangsarbeit beim Autobahnbau in Österreich und das Schicksal der eingesetzten Menschen. Hitler hatte beim Spatenstich am 7. April 1938 am Walserberg versprochen, die Reichsautobahn werde binnen drei Jahren bis Wien reichen.
Die Zahl 17
Von den großen Plänen blieb wenig übrig: Statt bis zu geplanten 1400 Kilometern wurden in Österreich lediglich 17 Kilometer fertiggestellt, bevor 1942 ein Baustopp erfolgte. Im gesamten Deutschen Reich entstanden zwischen 1933 und 1942 immerhin 3.820 Kilometer Autobahn – auch dort blieb der Ausbau weit hinter den Ankündigungen zurück.
Geplant gegen gebaut
Die NSDAP selbst hatte 1932 im Reichstag noch gegen die Finanzierung des Autobahnausbaus gestimmt. Später behauptete die NS-Propaganda, die Projekte schüfen Zehntausende Arbeitsplätze. Tatsächlich waren die beschäftigungspolitischen Effekte gering, wie die Forschung zeigt. Das Vorhaben diente vor allem als Prestige-Objekt: Zahlreiche gleichzeitig eröffnete Baustellen sollten landesweiten Aufbruch suggerieren, erklärt Historiker Bertrand Perz.
Zwangsarbeit am Bau
Nach Kriegsbeginn im September 1939 setzten die Verantwortlichen verstärkt Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene ein – bis zu 6.000 Kriegsgefangene waren zeitweise auf den Baustellen tätig. An den vorgesehenen Streckenabschnitten errichteten die Verantwortlichen etwa 130 Lager für die Zwangsarbeiter, umgeben von Stacheldraht; die Zustände darin beschreibt das Forschungsteam als äußerst menschenunwürdig. Zu den Verfolgten zählten neben anderen Gruppen auch Roma und Sinti aus Österreich sowie Menschen, die als „asozial“ galten – darunter eine größere Zahl von Slowenen. Schlechte Bezahlung und harte Bedingungen führten zu massiver Flucht; viele Arbeiter und Kriegsgefangene kamen bei den Arbeiten ums Leben.
Warum es scheiterte
Dem Forschungsteam zufolge war das Autobahnprojekt weder wirtschaftlich sinnvoll noch militärisch bedeutsam. Es fehlte an Arbeitskräften, Maschinen, Material und funktionierendem Management. Heimische Unternehmen waren für Großprojekte dieser Größenordnung zu klein, weshalb österreichische Firmen mit deutschen Großunternehmen zu Arbeitsgemeinschaften zusammengeschlossen wurden. Finanziert wurde der Bau über Schulden und Darlehen.
Studie zur Zwangsarbeit
In einem rund 340 Seiten starken Buch mit dem Titel „Autobahnbau in Österreich unter NS-Herrschaft“ veröffentlichen die Historikerin Alexandra Wachter sowie die Historiker Bertrand Perz und Gabriele Hackl-Schwind die Resultate ihrer Untersuchung. Asfinag-Vorstand Hartwig Hufnagl sieht darin einen Beitrag zu einer zeitgemäßen Erinnerungskultur. Generalinspekteur Fritz Todt hatte einst verkündet, die Bauwerke sollten wie Kathedralen für Jahrtausende bestehen – während die NS-Freizeitorganisation Kraft durch Freude das Autowandern als Freizeitvergnügen bewarb. Bis in die Gegenwart hinein basieren Abschnitte des bestehenden Autobahnnetzes auf Trassenführungen sowie Brücken- und Tunnelprojekten, die damals ihren Ursprung nahmen.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.