18 Monate Ermittlungszeit: So verändert KI die Verbrechensbekämpfung
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Durchschnittlich 18 Monate dauert es bislang, bis Ermittler sichergestellte Datenmengen manuell auf Missbrauchsdarstellungen von Kindern durchsucht haben. Mit Künstlicher Intelligenz lässt sich diese Zeit erheblich verkürzen. Das zeigt der aktuelle Stand der KI Verbrechensbekämpfung, der bei einer Interpol-Konferenz in Wien vorgestellt wurde.
- Oberstaatsanwalt Thomas Goger aus Bamberg nennt die Zahl von 18 Monaten für die manuelle Sichtung pro Fall.
- KI-gestützte Analyse verkürzt diese Bearbeitungsdauer nach seinen Angaben deutlich.
- Strafverfolger arbeiten zugleich mit einem niederländischen Startup an einer KI, die Phishing-Websites aus Millionen Domains filtert.
- Forscher Bernhard Haslhofer vom Complexity Science Hub Wien warnt, dass auch Kriminelle KI längst routinemäßig einsetzen.
Die Zahl und woher sie stammt
Die 18 Monate stammen von Thomas Goger, der als Oberstaatsanwalt in Bamberg mit der Auswertung sichergestellter Datenträger befasst ist. Er bezifferte damit die durchschnittliche Dauer, die Ermittler bisher benötigen, um Material manuell auf Missbrauchsdarstellungen von Kindern zu prüfen. Die Angabe nannte er bei einem zweitägigen Treffen namens New Technologies Forum, das diese Woche in Wien unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand.
Wie der Vergleich zwischen manueller Arbeit und KI aussieht
Der Unterschied zwischen beiden Methoden ist laut Goger erheblich: Wo Menschen Monate benötigen, liefert eine KI-gestützte Vorsortierung die relevanten Treffer deutlich schneller. Die abschließende Bewertung bleibt dabei aber Aufgabe eines Menschen, da die letzte Entscheidung über die Relevanz eines Fundes nicht an Software delegiert wird. Das System dient also als Filter, nicht als Richter.
Woran die Beschleunigung durch KI Verbrechensbekämpfung liegt
Die Ursache für den Zeitgewinn liegt in der Mustererkennung: Künstliche Intelligenz kann riesige Datenmengen parallel durchsuchen und auffällige Inhalte markieren, während Ermittler früher jede Datei einzeln sichten mussten. Ein ähnliches Prinzip verfolgt das Projekt mit dem niederländischen Startup, bei dem eine KI aus Millionen Internet-Domains potenzielle Phishing-Websites herausfiltert, um Cyberkriminalität frühzeitig zu erkennen.
Gleichzeitig wächst die Herausforderung auf der anderen Seite: Laut Bernhard Haslhofer ist KI inzwischen ein etabliertes Werkzeug im Arsenal von Straftätern. Er sieht die Behörden vor der Aufgabe, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, etwa bei komplexen Transaktionsnetzwerken im Zusammenhang mit Krypto-Betrug, für deren Sichtbarmachung er eigene Methoden entwickelt.
Was Fachleute von KI in der Verbrechensbekämpfung erwarten
Haslhofer verfolgt einen Forschungsansatz, bei dem KI-Modelle streng strukturiert und mit klaren Vorgaben versehen werden, um Fehlentscheidungen zu vermeiden. Er plant, ein solches Modell auf das Datenmaterial eines bereits abgeschlossenen Falls anzuwenden, um Vorgehen und Ergebnisse direkt mit der ursprünglichen Ermittlung zu vergleichen.
Goger fordert von den Strafverfolgungsbehörden, wissenschaftliche Entwicklungen künftig schneller aufzugreifen und enger mit der Forschung zusammenzuarbeiten. Beide Fachleute betonen aber auch die Grenzen: KI wird nach Gogers Einschätzung nicht alle Probleme der Strafverfolgung lösen können. Die Technik bleibt damit ein Werkzeug unter mehreren, aber kein Ersatz für Ermittlungsarbeit.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.