Viele Rechts- und Steuerberater sowie Wirtschaftsprüfer in Deutschland beklagen fehlende Fachkräfte. Das Rosenheimer Unternehmen Agenda Software reagiert darauf mit einer eigenen Lösung auf Basis Künstlicher Intelligenz und wurde dafür als Innovator des Jahres 2026 ausgezeichnet. Der Engpass trifft damit eine Branche, die ohnehin unter wachsendem regulatorischem Druck steht.
Die Zahl und ihre Quelle
Einer Erhebung des ifo Instituts aus dem Juli 2025 zufolge berichten 64,7 % der befragten Rechts- und Steuerberater sowie Wirtschaftsprüfer von fehlenden Fachkräften. Sie bildet den Hintergrund, vor dem Softwareanbieter wie Agenda Software ihre Produkte ausrichten.
Der Vergleich mit anderen Erhebungen
Eine Untersuchung von PwC aus dem Jahr 2026 zeigt ein ähnliches Bild für das Finanz- und Rechnungswesen: 60 % der Verantwortlichen können regulatorische Anforderungen wegen Personalmangels nur mit Mühe erfüllen. Gleichzeitig erhoffen sich 76 % der Befragten Entlastung durch Künstliche Intelligenz.
Tatsächlich umgesetzt hat diesen Schritt bislang kaum jemand: Nur etwa jedes 25. Unternehmen hat seine Accounting-Prozesse umfassend auf KI ausgerichtet. Zwischen Wunsch und Umsetzung klafft damit eine deutliche Lücke.
Die Ursachen und Agendas Antwort
Agenda Software entwickelte nach Angaben des Nominierungskomitees eine eigene KI-Lösung, die unabhängig von bekannten großen Sprachmodellen arbeitet und die eigene Softwareentwicklung beschleunigen sowie kostengünstiger machen soll. Durch die neu eingeführten KI-Entwicklungsprozesse steigerten die betroffenen Einheiten bei Agenda demnach ihren Output. Für diese Entwicklung erhielt das Unternehmen die Auszeichnung Innovator des Jahres 2026.
Agenda Informationssysteme wurde 1984 gegründet und brachte 1986 mit dem Produkt DATASS die DATEV-Erfassung auf den Standard-PC – zuvor rechneten Mitarbeiter in Steuerkanzleien Geschäftsvorfälle von Hand und erfassten die Ergebnisse an einem zentralen Spezialrechner. Laut einer Unternehmensdarstellung von Oktober 2026 nutzen inzwischen rund 380.000 Personen die Software von Agenda.
Was das für Kanzleien bedeutet
Eine Erhebung der KfW zu mittelständischen Unternehmen zeigt zudem, dass im untersuchten Dreijahreszeitraum 41 % der Betriebe mindestens eine Innovation hervorbrachten – ein Hinweis darauf, dass technische Neuerungen im Mittelstand verbreiteter sind als im engeren Feld der Steuerkanzleien. Der Befund aus der Kanzleibranche selbst bleibt davon unberührt.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.



