9.586 Geflügelpest-Fälle seit 2020: Warum fast alle bei Wildvögeln auftreten
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Von 2020 bis zum 6. Oktober 2026 registrierte die Bundesregierung in Deutschland 9.586 Geflügelpest-Fälle. Die weit überwiegende Zahl der Ausbrüche betraf Wildvögel. Parallel dazu melden Behörden im Herbst 2026 neue Fälle in mehreren Bundesländern.
Die Zahl stammt aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage und bildet den gesamten Zeitraum seit Beginn der Aufzeichnung ab. Sie zeigt, dass die Geflügelpest in Deutschland kein kurzfristiges Phänomen ist, sondern seit Jahren wiederkehrt.
Wie viele Geflügelpest-Fälle wurden seit 2020 erfasst?
Von den 9.586 amtlich festgestellten Ausbrüchen der Hochpathogenen Aviären Influenza entfielen laut Bundesregierung 8.652 Fälle auf Wildvögel. Bei gewerblich und nicht gewerblich gehaltenem Geflügel wurden 641 Ausbrüche gezählt, bei sonstigen in Gefangenschaft gehaltenen Vögeln 293.
Damit liegt der Schwerpunkt klar außerhalb der Nutztierhaltung. Die Bundesregierung geht davon aus, dass Geflügelbestände sich in zahlreichen Fällen über Kontakt zu Wildvögeln anstecken, wobei jeder einzelne Ausbruch von den zuständigen Landesbehörden gesondert epidemiologisch untersucht wird.
Woher stammen die neuen Ausbrüche im Herbst 2026?
Drei bestätigte Geflügelpestfälle wurden in Schleswig-Holstein registriert, und zwar in den Kreisen Nordfriesland, Segeberg und Schleswig-Flensburg. Ein Geflügelbetrieb in Bark im Kreis Segeberg war als erster betroffen, sein gesamter Bestand musste getötet werden.
In einer Gänsehaltung in Wanderup bestätigte das Friedrich-Loeffler-Institut den Erregertyp H5N1, mehr als 1.000 Gänse wurden getötet. Ab dem folgenden Dienstag traten landesweite Schutzmaßnahmen für die Geflügelhaltung in Schleswig-Holstein in Kraft, nachdem auch bei Wildvögeln ein vermehrter Anstieg positiver Befunde festgestellt worden war.
Auch außerhalb Deutschlands breitet sich die Geflügelpest aus: In Tongeren in Belgien wurde bei einem Hobbyhalter die Variante H5N1 nachgewiesen, Geflügelhalter im Umkreis von 10 km müssen ihre Tiere seither im Stall halten. Im Kölner Zoo wurde das Virus bei neu angeschafften Enten festgestellt, mehrere Gehege wurden vorsorglich geschlossen und die Flugschau ausgesetzt.
In Niedersachsen wies das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg in Proben aus Wilhelmshaven Aviäre Influenza H5 nach, dort besteht der Verdacht auf einen weiteren Ausbruch in einem Bestand mit Enten, Puten und Wellensittichen, nachdem es dort bereits im Februar 2026 einen Fall gegeben hatte.
Eine Putenelterntierhaltung im Landkreis Friesland mit rund 6.800 Tieren war von H5N1 betroffen, während im Landkreis Wesermarsch eine Kleinsthaltung mit etwa 35 Hühnern und Enten den Erreger aufwies.
Was bedeutet ein Ausbruch für betroffene Betriebe?
Nach EU-Recht sind gehaltene Vögel bei amtlich bestätigtem HPAI-Ausbruch in der betroffenen Haltung grundsätzlich zu töten. Für die Jahre 2020 bis 2023 wurden laut Bundesregierung Entschädigungen für etwa 4,9 Millionen Tiere beantragt, darunter Legehennen, Masthähnchen, Zuchthühner, Enten, Gänse, Truthähne und sonstige Geflügelarten.
Für die Jahre ab 2024 kann die Bundesregierung noch keine Angaben zu Entschädigungen machen, da die entsprechenden Antragsverfahren noch nicht abgeschlossen sind. Wie hoch die Zahl der entschädigten Tiere für die jüngsten Ausbrüche in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und anderen Regionen tatsächlich ausfällt, lässt sich daher aktuell nicht beziffern.
Zusammenfassung in Zahlen
- 9.586 Ausbrüche der Hochpathogenen Aviären Influenza wurden von 2020 bis zum 6. Oktober 2026 amtlich festgestellt.
- 8.652 dieser Ausbrüche betrafen Wildvögel.
- 641 Ausbrüche traten bei gewerblich und nicht gewerblich gehaltenem Geflügel auf.
- 293 Ausbrüche betrafen sonstige in Gefangenschaft gehaltene Vögel.
- Für 2020 bis 2023 wurden Entschädigungen für rund 4,9 Millionen Tiere beantragt.