123.400 offene Stellen im zweiten Quartal 2026: Warum der Fachkräftemangel trotzdem bleibt
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Der Arbeitsmarkt für Fachkräfte in Österreich zeigt ein auffälliges Bild: Im zweiten Quartal 2026 gab es laut Angaben von Leitbetriebe Austria 123.400 offene Stellen. Das waren 16,6 % weniger als im gleichen Quartal des Vorjahres. Trotz des Rückgangs bleibt der Wettbewerb um qualifizierte Kräfte nach Einschätzung der Personalberaterin Manuela Lindlbauer von der LINDLPOWER GROUP intensiv.
Die Zahl und woher sie stammt
Die Zahl stammt aus der Auswertung von Leitbetriebe Austria. Sie gilt als Momentaufnahme eines Marktes, der sich spürbar abkühlt, ohne dass der Mangel an geeigneten Bewerbern damit verschwindet.
Der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt eine Verschiebung der Prioritäten
Während die Zahl der offenen Stellen sinkt, ändern sich laut einer Umfrage von Randstad aus dem Jahr 2026 die Erwartungen der Arbeitnehmer an einen neuen Arbeitgeber. Erstmals steht demnach ein angenehmes Arbeitsklima höher in der Priorität als das Gehalt. Jobsicherheit bleibt demnach weiterhin ein entscheidender Faktor bei der Arbeitgeberwahl.
Auch beim Thema Homeoffice zeigt sich keine Rückkehr zur alten Präsenzkultur: Nach einer Erhebung von Deloitte aus dem Jahr 2026 ermöglichen sieben von zehn befragten Unternehmen weiterhin mindestens der Hälfte ihrer Belegschaft Homeoffice.
Warum der Wettbewerb um Talente bleibt
Lindlbauer erklärt den anhaltenden Wettbewerb damit, dass qualifizierte Fachkräfte klare Anforderungen an ihre Arbeitgeber stellen. Dazu zählen laut Lindlbauer eine erkennbare unternehmerische Vision, moderne Führung, Gestaltungsspielraum in der eigenen Arbeit sowie moderne Technologien für effizientes und zukunftsorientiertes Arbeiten.
Bei qualifizierten Angestellten, Spezialisten und im mittleren Management zählt laut Lindlbauer die Qualität der Besetzungen mehr als die bloße Anzahl der Bewerbungen. Viele interessante Kandidaten seien zudem gar nicht aktiv auf Jobsuche, sondern trügen bereits Verantwortung in ihrer aktuellen Position und wechselten nur bei überzeugenden neuen Perspektiven, so Lindlbauer.
Was Fachleute für Unternehmen erwarten
Nach Einschätzung von Lindlbauer gewinnen Unternehmen Fachkräfte nicht über auffällige Werbekampagnen, sondern über spannende Tätigkeiten, Aufstiegschancen, finanzielle Verlässlichkeit und eine Führung, der die Belegschaft vertraut. Gleichzeitig beobachtet Lindlbauer, dass Unternehmen wieder selbstbewusster bei ihren Erwartungen an Präsenz, Erreichbarkeit und Zusammenarbeit auftreten.
Gute Führung schaffe laut Lindlbauer eher Leistung und Unternehmenskultur als reine Präsenz am Arbeitsplatz. Lindlbauer bringt für diese Einschätzung mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Personalberatung mit.
Für Beschäftigte bedeutet der sinkende Bestand an offenen Stellen nicht automatisch weniger Verhandlungsmacht: Solange Arbeitsklima, Jobsicherheit und flexible Arbeitsmodelle bei der Jobwahl eine so große Rolle spielen, bleiben Unternehmen gefordert, mehr als nur ein Gehalt zu bieten.