95 Cent teurer: Was die Diesel-Prognose für Österreich wirklich bedeutet
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Eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Economica sorgt in Österreich für Unruhe: Sie prognostiziert, dass Diesel bis zum Jahr 2035 um bis zu 95 Cent je Liter teurer werden könnte. Grund wäre ein geplantes Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien im Verkehr. Das österreichische Verkehrsministerium hält die Prognose für massiv überhöht und hat eine eigene Untersuchung in Auftrag gegeben.
Woher stammt die 95-Cent-Prognose?
Die Studie von Economica untersucht die Folgen des geplanten Erneuerbaren-Energien-Gesetzes Verkehr. Der Entwurf sieht vor, dass der Anteil erneuerbarer Energie im Verkehr von 18 % im Jahr 2027 über 35 % im Jahr 2030 auf 65 % bis 2035 steigen soll. Die Economica-Berechnung geht davon aus, dass Diesel bis 2035 bis zu 95 Cent je Liter zulegen könnte und Benzin bis zu 86 Cent. Der Dieselpreis könnte demnach auf rund drei Euro pro Liter klettern.
Neben den Spritpreisen rechnet die Studie auch mit volkswirtschaftlichen Folgen: Die Reallöhne könnten um 0,56 % sinken, das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 % schrumpfen.
Die Wirtschaftskammer Österreich verweist zudem darauf, dass Österreich bereits 2040 klimaneutral sein will, während die Europäische Union dieses Ziel erst für 2050 anstrebt – und geht von einer jährlichen Mehrbelastung der heimischen Unternehmen in Höhe von rund 2,2 Milliarden Euro im Jahr 2035 aus.
Wie reagiert das Verkehrsministerium auf die Zahlen?
Das Verkehrsministerium bezeichnet die prognostizierten Preissteigerungen als massiv überhöht. Zur Klärung der wirtschaftlichen Folgen des Vorhabens hat das Ministerium die Österreichische Energieagentur mit einer eigenen Analyse betraut. Über das Erneuerbaren-Energien-Gesetz Verkehr wird derzeit politisch verhandelt; eine Begutachtung des Entwurfs sollte ursprünglich im Herbst 2026 stattfinden.
Parallel dazu hat die Bundesregierung Anfang Oktober 2026 ihre Spritpreisbremse ausgeweitet. Eine niedrigere Mineralölsteuer in Kombination mit gedeckelten Gewinnmargen soll Benzin und Diesel vorübergehend um etwa zwölf Cent je Liter verbilligen.
Welche weitere Kritik kommt aus der Wirtschaft?
Auch aus der Transportbranche kommt Widerspruch. Der Obmann der Transportsparte der Wirtschaftskammer Oberösterreich, Wolfgang Schneckenreither, kritisiert die Widersprüchlichkeit zwischen kurzfristiger Spritpreisbremse und längerfristigen Verteuerungsvorgaben.
Die Transportwirtschaft warnt zudem vor einer mangelnden Verfügbarkeit von Biokraftstoff, falls die geplante Quote tatsächlich kommt. Schneckenreither verweist darauf, dass hohe Standortkosten bereits jetzt zu Abwanderungen in kostenattraktivere Auslandsstandorte führen. Die Wirtschaftskammer Oberösterreich fordert deshalb strukturelle Lösungen anstelle kurzfristiger Entlastungsmaßnahmen.
Was eine Tankfüllung künftig kosten könnte
Auch das lässt sich aus der Studie ableiten: Füllt jemand 50 Liter Diesel nach, würde der angenommene Aufpreis von 95 Cent je Liter zusätzliche 47,50 Euro kosten. Bei Benzin läge der Aufschlag bei 43 Euro je 50-Liter-Füllung. Wer monatlich 200 Liter Diesel verbraucht, käme laut dieser Rechnung auf jährliche Mehrkosten von 2.280 Euro.
Diese Beträge beziehen sich auf den Zeitraum bis 2035 und sind damit eine langfristige Prognose, keine unmittelbar bevorstehende Preiserhöhung. Ob die tatsächliche Entwicklung näher an den Zahlen von Economica oder an der Einschätzung des Verkehrsministeriums liegt, soll die Untersuchung der Österreichischen Energieagentur klären.