100 Stunden weniger Arbeit pro Jahr: Warum Erben statt Arbeiten sich auszahlt
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Wer erbt, arbeitet laut einer Berechnung des Momentum Instituts im Schnitt weniger als Menschen ohne Erbschaft. Erben statt Arbeiten zahlt sich damit rechnerisch aus, obwohl Erbschaften hierzulande seit 18 Jahren steuerfrei bleiben.
Die Differenz wirkt auf den ersten Blick klein, summiert sich aber über ein Jahr zu einem spürbaren Unterschied. Das Momentum Institut ordnet die Zahlen in den Zusammenhang der laufenden Debatte um eine Wiedereinführung der Erbschaftssteuer ein.
Woher stammt die Zahl der 100 Stunden?
Grundlage ist die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller unselbstständig Beschäftigten in Österreich von 35,9 Stunden. Trennt man die Gruppe nach Erbschaft, ergibt sich laut Momentum Institut ein klarer Unterschied: Nicht-Erbende arbeiten 36,6 Stunden, Erbende 34,7 Stunden pro Woche.
Hochgerechnet auf ein Jahr entspricht diese Differenz rund 100 Stunden. Das Momentum Institut übersetzt diesen Wert in ein anschauliches Zeitäquivalent: etwa drei Wochen zusätzliche Freizeit für Menschen, die geerbt haben.
Warum arbeiten Erbende weniger?
Dem Momentum Institut zufolge bleibt der Abstand zwischen Erbenden und Nicht-Erbenden über den größten Teil der Vermögensverteilung hinweg bestehen – die geringere Arbeitszeit ist also kein Effekt, der nur bei sehr hohen Vermögen auftritt. Als Erklärung nennt das Institut, dass Vermögen Handlungsspielräume und finanzielle Absicherung schafft, die es leichter machen, die Arbeitszeit zu reduzieren.
Damit wirkt eine Erbschaft nicht nur auf das Vermögen selbst, sondern auch auf das Arbeitsverhalten der Erben. Wer finanziell abgesichert ist, muss weniger Stunden arbeiten, um den eigenen Lebensstandard zu halten.
Was fordert das Momentum Institut?
Daraus zieht das Momentum Institut einen politischen Schluss: Eine mit Freibeträgen versehene Erbschafts- und Schenkungssteuer ließe sich so gestalten, dass kleinere Erbschaften verschont blieben, während besonders umfangreiche Vermögensübertragungen stärker zur Kasse gebeten würden. Das Institut hält es zudem für widersprüchlich, Arbeitseinkommen höher zu besteuern als leistungslose Erbschaften.
Die Debatte um die abgeschaffte Erbschaftssteuer in Österreich bekommt durch die Arbeitszeit-Zahlen damit ein zusätzliches Argument: Wer weniger arbeitet, weil er geerbt hat, trägt gleichzeitig weniger zum Steueraufkommen aus Arbeit bei.