Der WWF hat im November 2026 einen Flüssereport veröffentlicht, demnach sind 77 Prozent der ökologisch wertvollen Flussstrecken in Österreich rechtlich nicht vor weiterem Wasserkraftausbau geschützt. Diese Schutzlücke betrifft naturnahe Flussabschnitte ebenso wie Strecken, die eigentlich für eine Renaturierung vorgesehen sind.
Woher die Zahl stammt
Die Schutzlücke umfasst 9.700 von insgesamt rund 32.400 ausgewerteten Flusskilometern, von denen etwa 12.600 Kilometer als ökologisch besonders wertvoll gelten. Betroffen sind nicht nur unberührte Flussläufe, sondern auch Abschnitte, die laut nationalem Renaturierungsplan künftig wieder frei fließen sollen: Von 1.900 vorgesehenen Kilometern fehlt bei etwa drei Vierteln ebenfalls der Schutz vor weiterem Ausbau.
Der Vergleich zwischen den Bundesländern
Zwischen den Bundesländern gibt es laut dem Report deutliche Unterschiede. In Kärnten und Vorarlberg sind jeweils mehr als 90 % der ökologisch wertvollen Flussstrecken ungeschützt – die höchsten Werte im Bundesländervergleich. In Kärnten belasten zugleich mehr als 900 Wasserkraftanlagen die Gewässer, in Vorarlberg sind es rund 270.
Österreichweit sind laut WWF über 6.600 Wasserkraftanlagen dokumentiert, mit den meisten Anlagen in Niederösterreich und der Steiermark mit jeweils rund 1.200, gefolgt von Tirol mit mehr als 1.100 und Oberösterreich mit mehr als 1.000.
Warum die Schutzlücke Trinkwasser und Hochwasserschutz betrifft
Die fehlende rechtliche Absicherung hat laut WWF direkte ökologische Folgen. Weil Wasserkraftanlagen Flusswasser ausleiten und es erst deutlich weiter unten wieder einleiten, bleibt auf 57 % der betroffenen Restwasserstrecken die ökologisch erforderliche Mindestwassermenge aus.
Darüber hinaus lassen sich 77 % der Wehre und sonstigen Querbauwerke an Wasserkraftanlagen von Fischen nicht überwinden. Wehre und Staudämme unterbrechen zudem den natürlichen Transport von Kies und Schotter, der für die Stabilität von Flussbetten und damit auch für den Hochwasserschutz wichtig ist.
Was der WWF jetzt fordert
Angesichts zunehmender Hitze- und Dürreperioden mahnt der WWF, beim Gewässerschutz und bei der Wiederherstellung naturnaher Flussläufe nicht länger zu zögern. Die Organisation kritisiert erhebliche Defizite bei vielen bestehenden Wasserkraftanlagen hinsichtlich der Restwassermenge.
Als eine mögliche Maßnahme empfiehlt der WWF einen Wasserzins nach Schweizer Vorbild von etwa 1,5 Cent pro Kilowattstunde Wasserkraftstrom, um Anreize für mehr Gewässerschutz zu schaffen.



