Was Schüler in Frankreich trotz Milliarden-Investitionen auf die Straße treibt
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Frankreich wendet jährlich rund 85 Milliarden Euro für sein Bildungssystem auf. Trotzdem protestieren seit Wochen Schüler landesweit, mehr als 500 Schulen sind betroffen, rund 400 Gymnasien bleiben geschlossen. Gleichzeitig erzielte das Land in der PISA-Studie seine schlechtesten Ergebnisse seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000.
- Frankreich gibt jährlich 85 Milliarden Euro für Bildung aus
- Allein im Großraum Paris flossen seit 2017 6,6 Milliarden Euro in Schulsanierungen
- Über 70 % der Schulgebäude sind älter als 50 Jahre
- Die PISA-Werte sind so schlecht wie nie seit dem Jahr 2000
Die Zahl: 85 Milliarden Euro Bildungsausgaben Frankreich pro Jahr
Frankreich investiert jährlich rund 85 Milliarden Euro in sein Bildungssystem. Allein die Regionen geben jedes Jahr 8 Milliarden Euro für Oberschulen aus. Die Région Île-de-France hat für ihre Gymnasien im Jahr 2026 ein Budget von 1,9 Milliarden Euro vorgesehen, das entspricht rund 4.000 Euro pro Schüler.
Im Großraum Paris wurden seit 2017 im Rahmen eines Zehnjahresplans 6,6 Milliarden Euro in die Sanierung von Oberschulen investiert. Im Département Seine-Saint-Denis entstanden laut der Regionalpolitikerin Valérie Pécresse seit Beginn von Emmanuel Macrons Amtszeit 53 renovierte und drei komplett neue Oberschulen.
Der Vergleich: Schlechteste PISA-Werte Frankreichs seit dem Jahr 2000
Trotz dieser Summen verzeichnet Frankreich einen deutlichen und kontinuierlichen Leistungsabfall in den Kernbereichen der PISA-Studie. Die aktuellen Ergebnisse sind die schlechtesten seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000. Mehr als 70 % der französischen Schulgebäude sind älter als 50 Jahre – ein Gegensatz zu den hohen laufenden Investitionen.
Parallel dazu beziffert der Französische Sekundarschulen-Verband die Zahl blockierter Gymnasien auf rund 400 von insgesamt 3.700 Gymnasien für die Altersgruppe der 15- bis 18-Jährigen.
Die Ursachen: Lehrermangel, Hitze und ein abgeschafftes Abitur
Der Schülerverband um Ryad Rani fordert, den Lehrermangel zu beheben und die Bildungschancen für alle zu erhöhen. Der Bildungsminister Édouard Geffray räumt ein, dass einige dieser Forderungen berechtigt sind, hat aber selbst Schwierigkeiten, qualifizierte Lehrkräfte zu gewinnen.
Zu den konkreten Beschwerden zählen marode Gebäude und überfüllte Klassen. Eine Hitzewelle Ende Mai trieb die Temperaturen in manchen Klassenzimmern auf 35 Grad Celsius. Zudem wurde das französische Zentralabitur Baccalauréat mit Spezialisierung abgeschafft, was zusätzlichen Unmut auslöste. In Nantes brannte ein erst 2014 eröffnetes, modern ausgestattetes Gymnasium nach Brandstiftung protestierender Schüler ab und blieb bis zu den Herbstferien geschlossen.
Was die Proteste für Frankreichs Bildungssystem bedeuten
Die Proteste haben sich mittlerweile auf zahlreiche Städte ausgeweitet, auch an Universitäten wird demonstriert. In Straßburg setzten Demonstrierende Mülltonnen in Brand, in einem Vorort von Marseille wurde ein Schulleiter mit Benzin übergossen. Das französische Innenministerium beschreibt die Lage als Umschlag in städtische Unruhe.
Die Polizei setzte bei mehreren Einsätzen Tränengas und teilweise Schlagstöcke ein, seit Beginn der Proteste wurden nach unterschiedlichen Angaben tausende Jugendliche festgenommen. Schülervertreter wie Nathanaël Combray distanzieren sich von den Gewaltszenen und bezeichnen sie als absolut widerlich. Justizminister Gérald Darmanin kündigte an, Eltern für Schäden ihrer protestierenden Kinder haftbar machen zu wollen, während Bildungsminister Geffray das Gespräch mit Schülern und Studierenden sucht.
Zusammenfassung in Zahlen
- 85 Milliarden Euro jährliche Bildungsausgaben Frankreichs
- 6,6 Milliarden Euro Schulsanierung im Großraum Paris seit 2017
- 1,9 Milliarden Euro Gymnasialbudget der Île-de-France für 2026
- Über 70 % der Schulgebäude älter als 50 Jahre
- Rund 400 von 3.700 Gymnasien blockiert
- Schlechteste PISA-Werte seit dem Jahr 2000
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.