45 Prozent Zoll auf China-E-Autos: Zieht Großbritannien mit der EU gleich?
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Großbritannien erwägt erstmals Zölle auf chinesische Elektroautos. Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds arbeitet an einem Maßnahmenpaket, das sich an einer möglichen EU-Abgabe von 45 Prozent orientieren könnte.
Hintergrund der Überlegungen sind Sorgen vor einer Marktüberschwemmung mit staatlich subventionierten Fahrzeugen aus China. Gleichzeitig drängt die EU-Kommission Großbritannien seit September dazu, seine Handelspolitik enger an Brüssel auszurichten und eigene Zölle auf chinesische Elektroautos zu erheben.
Woher stammt die Zahl von 45 Prozent?
Die 45 Prozent sind kein britischer Wert, sondern orientieren sich an einer EU-Regel, die ab 2027 greifen soll: Nach dem Auslaufen der Übergangsregeln für Elektroautos Ende 2026 dürfen fremde Vorprodukte dann höchstens 45 Prozent des Fahrzeugwerts ausmachen. Die britische Regierung prüft, wie die „Times“ berichtete, eine vergleichbare Abgabe von 45 Prozent auf chinesische Elektroautos einzuführen, um sich an dieses EU-Niveau anzunähern.
Zum Vergleich: Die EU selbst erhebt seit Oktober 2024 zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent spezielle Ausgleichszölle zwischen 7,8 und 35,3 Prozent auf batterie-elektrische Pkw aus China, je nach Hersteller. Großbritannien erhebt bislang keinen vergleichbaren Aufschlag.
Wie groß ist das Problem mit chinesischen E-Autos wirklich?
Die Zahlen zeigen, warum London unter Druck steht. In Großbritannien stammten 2026 bereits 16 Prozent aller Neuwagen von chinesischen Marken – über alle Antriebsarten hinweg. Im Frühjahr 2026 verkaufte sich keine andere Elektroauto-Marke im Land besser als BYD, während XPeng seinen Vertrieb auf der Insel mittlerweile in eigener Regie betreibt. In der gesamten EU erreichte der Anteil chinesischer Neuwagenmarken im Juli einen Rekordwert von gut jedem neunten Neuwagen.
Mehrere Faktoren stehen hinter dem Vorstoß:
- Die EU-Kommission hat im März den Industrial Accelerator Act vorgelegt, der öffentliche Aufträge und Förderprogramme an eine Endmontage in der EU knüpft.
- Mindestens 70 Prozent der Bauteile eines Elektroautos – ohne Akku gerechnet – sollen demnach künftig aus der EU stammen.
- In Brüssel wächst die Sorge, dass chinesische Hersteller die Abgaben über den Umweg Vereinigtes Königreich unterlaufen könnten; so lässt Nissan seit Juni prüfen, ob im Werk Sunderland ab dem Geschäftsjahr 2027 Fahrzeuge der chinesischen Marke Chery vom Band laufen sollen.
- Nach Branchenangaben sichert die britische Autoproduktion jährlich Wirtschaftsaktivität von 24 Milliarden Euro, 250.000 Arbeitsplätze sowie 1,6 Milliarden Euro Steuereinnahmen innerhalb der EU – deshalb haben beide Seiten ein Interesse an einer gemeinsamen Lösung.
Was erwarten Fachleute und Beteiligte als Nächstes?
Die britische Regierung steht nach eigenen Angaben in engem Austausch mit der Industrie, um ein Vorgehen zu entwickeln, das Branchen- und nationale Interessen widerspiegelt. Britische Autobauer befürchten unterdessen, ohne eigene Zölle aus europäischen Lieferketten verdrängt zu werden, sollten sie die Made-in-Europe-Kriterien der EU nicht erfüllen.
Premierminister Andy Burnham warb im September dafür, Großbritannien als vertrauenswürdigen Partner im Rahmen der geplanten EU-Regelungen zu behandeln. Gleichzeitig lehnt die britische Regierung einen Beitritt zur EU-Zollunion ab. Schon heute vergibt London staatliche Kaufprämien nur für Elektroautos bis 37.000 Pfund, deren Hersteller die Nachhaltigkeit der Fertigung belegen – eine Hürde, an der in China gebaute Modelle wegen des dortigen kohlelastigen Strommixes meist scheitern.
Zusammenfassung in Zahlen
- Mögliche neue Zölle auf chinesische E-Autos in Großbritannien: 45 Prozent
- EU-Ausgleichszölle auf China-E-Autos seit Oktober 2024: 7,8 bis 35,3 Prozent zusätzlich zu 10 Prozent Einfuhrzoll
- Marktanteil chinesischer Marken bei Neuwagen in Großbritannien 2026: 16 Prozent
- Erforderlicher EU-Bauteilanteil ab 2027: mindestens 70 Prozent
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.