Bootsbetriebe am Neusiedler See verlieren 30 Prozent Umsatz: So reagiert die Region
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Am Neusiedler See bleiben derzeit zahlreiche Boote im Schlamm stecken, wenn sie aus dem Wasser gehoben werden. Grund ist der Wasserstand, der über den Sommer stetig gesunken ist. Besonders betroffen ist die Ruster Bucht, wo der Kranbereich zuvor extra ausgebaggert worden war.
Die Zahl aus Rust
In der Ruster Bucht lässt sich der Kranbereich derzeit nicht regulär nutzen, weil der Seegrund dort verschlammt ist, wie der ORF Burgenland berichtet. Nach Angaben von Isabella Bendi bleiben fast 80 Prozent der Boote beim Herausheben aus dem Wasser im Schlamm stecken. Dabei war der Bereich vor dem Krangelände erst vor wenigen Wochen eigens ausgebaggert worden.
Der Wasserstand des Neusiedler Sees ist über den gesamten Sommer hinweg stetig gesunken und hat damit genau jene Stelle wieder freigelegt, die zuvor vertieft worden war. Der Kranplatz dient normalerweise dazu, Boote für den Winter aus dem Wasser zu heben – eine Routine, die in diesem Jahr durch den Schlamm deutlich erschwert ist.
Weniger Gäste, weniger Umsatz
Die sommerliche Hitze hat laut Bendi nicht nur den Wasserstand gedrückt, sondern auch die Zahl der Besucher und den Segelbetrieb am See verringert. Weniger Boote auf dem Wasser bedeuten weniger Reparaturen – mit spürbaren Folgen für das Handwerk. Der zertifizierte Bootselektriker Philipp Kolla aus Weiden am See beziffert seinen Umsatzrückgang auf rund 30 Prozent.
Schon 2022 seien Kunden wegen niedriger Wasserstände auf den Balaton in Ungarn ausgewichen, erinnert sich Kolla. Vom Pegel des Neusiedler Sees hängen demnach nicht nur Wassersportler ab, sondern auch Tourismus, Handwerk, Fischerei und der Lebensmittelhandel in der Region.
Schilf als Wasserräuber
Gegen das Problem geht seit drei Jahren die Seemanagement GmbH vor. Sie schneidet gezielt Schilf, um die Verdunstung am See zu verringern. Mit neu angeschafften, effizienteren Maschinen wird dabei vor allem Altschilf sowie geknicktes und gebrochenes Schilf im Hinterland entfernt.
Geschäftsführer Erich Gebhardt bringt den Zusammenhang auf den Punkt: Das Schilf von heute werde zum Schlamm von morgen. Die Maßnahme ist Teil eines langfristigen Konzepts: Wird weniger Schilf alt und bricht ab, gelangt weniger organisches Material in den See, das sich sonst zu Schlamm zersetzt – genau jenes Problem, das Bootsbesitzern derzeit in Rust zu schaffen macht.
Schlamm wird abgesaugt
Neben dem Schilfschnitt setzt die Seemanagement GmbH auf Schlammabsaugen. Die Arbeiten in den Häfen und Zufahrten der 14 Seegemeinden sollen Ende Oktober beginnen. In Weiden am See entsteht dafür ein neues Schlamm-Absetzbecken, zusätzlich zu den sechs bereits bestehenden Becken rund um den See.
Die Seemanagement GmbH agiert dabei als Lohnunternehmen: Gemeinden und Yachthafenbetreiber beauftragen die Maßnahmen jeweils in gegenseitiger Absprache, wie Gebhardt erläutert.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.