Tabaksteuer steigt auf 28,77 Cent pro Zigarette: Warum der Bund jetzt vierfach erhöht
Autohaus Temmer vergibt top KFZ-Mechaniker Jobs mit Aufstiegsmöglichkeiten in Leibnitz
Der Steuersatz für Zigaretten liegt derzeit bei 20,27 Cent pro Stück. Zum 1. Januar 2027 soll er demnach erstmals steigen und danach bis 2030 in weiteren Jahresschritten zulegen. Eine Packung mit 20 Zigaretten könnte dadurch von durchschnittlich 8,05 Euro auf etwa 11,36 Euro verteuert werden.
Die Bundesregierung hat die Erhöhung am 29. April 2026 als Konsolidierungsmaßnahme beschlossen. Der Finanzausschuss des Bundestags hat den Gesetzentwurf am 5. Oktober 2026 in einer öffentlichen Anhörung beraten, bei der sowohl Gesundheitsverbände als auch Industrievertreter Stellung bezogen.
Wie stark steigt die Tabaksteuer bis 2030?
Die Steuer steigt in vier Jahresschritten: 2027 auf 22,21 Cent, 2028 auf 24,21 Cent, 2029 auf 26,39 Cent und 2030 schließlich auf 28,77 Cent pro Zigarette. Die Tabaksteuer pro Packung klettert damit von durchschnittlich 4,05 Euro auf 4,44 Euro bereits zum ersten Schritt 2027. Nach dem ursprünglichen Regierungsentwurf sollten die jährlichen Mehreinnahmen 2027 bei 756 Millionen Euro liegen und bis 2030 auf 3,589 Milliarden Euro wachsen.
Ein Änderungsantrag der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD sieht inzwischen deutlich höhere Beträge vor: 1,523 Milliarden Euro schon im ersten Jahr und insgesamt 11,7 Milliarden Euro zwischen 2027 und 2030.
Auch erhitzter Tabak und Feinschnitt sind betroffen, deren Steuersätze derzeit bei 16,65 Cent pro Stück beziehungsweise 100,76 Euro pro Kilogramm liegen. Die Mehreinnahmen fließen laut Bundesfinanzministerium in den allgemeinen Bundeshaushalt.
Warum erhöht der Bund die Steuer jetzt so deutlich?
Das Bundesfinanzministerium nennt zwei Ziele: Haushaltskonsolidierung und den Schutz der öffentlichen Gesundheit durch eine sinkende Raucherquote. Der AOK-Bundesverband führt an, dass täglich etwa 350 Menschen in Deutschland an den Folgen des Rauchens sterben, und sieht deutliche Steuererhöhungen als wirksamste Einzelmaßnahme gegen den Tabakkonsum.
Wer warnt vor Folgen der Steuererhöhung?
Nicht alle Beteiligten befürworten die Pläne. Mehrere Verbände haben in der Anhörung konkrete Einwände vorgebracht:
- Der Bundesverband der Zigarrenindustrie warnt vor einer Verzwanzigfachung der Steuer auf Zigarren und rechnet mit Preiserhöhungen von 50 bis 60 %.
- Der Verband beschäftigt nach eigener Aussage 1.600 tarifgebundene Mitarbeiter, deren Stellen er in Gefahr sieht.
- Der Verband der deutschen Rauchtabakindustrie erwartet, dass die erhofften Mehreinnahmen ausbleiben und stattdessen der Schwarzmarkt profitiert.
- Die Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft weist darauf hin, dass sich in Deutschland bereits ein Tabakschwarzmarkt etabliert hat, der mit organisierter Kriminalität verknüpft ist.
Was bedeutet das für Raucher und Dampfer?
Auch E-Zigaretten-Liquids sind von der Tabaksteuer betroffen. Seit Januar 2026 liegt der Satz bei 32 Cent pro Milliliter, mit Mehrwertsteuer effektiv bei rund 38 Cent. Das gilt unabhängig davon, ob das Liquid Nikotin enthält, solange es zum Dampfen bestimmt ist. Ein zehn Milliliter fassendes Fläschchen ist dadurch spürbar teurer geworden.
Besonders bei Jugendlichen ist das Dampfen bereits verbreiteter als das klassische Rauchen: Laut Statista konsumiert etwa ein Viertel der befragten 15-jährigen Mädchen und ein Fünftel der gleichaltrigen Jungen E-Zigaretten oder Vapes. Höhere Preise sollen genau diese Gruppe vom Einstieg abhalten.
Wer plant, vor dem nächsten Stichtag noch Vorräte anzulegen, sollte die Ersparnis realistisch einschätzen: Ein Vorratskauf spart pro Schachtel einmalig nur die Differenz von etwa einem Euro gegenüber dem neuen Preis. Mit alter Steuerbanderole gekaufte Produkte werden nachträglich nicht teurer, wenn die Steuer steigt.
Zigaretten bleiben bei kühler, dunkler und trockener Lagerung in Originalverpackung lange haltbar, Liquids verschlossen oft ein bis zwei Jahre. Parallel verhandelt die EU-Kommission seit ihrem Entwurf vom 16. Juli 2025 über eine neue Tabaksteuerrichtlinie mit Mindeststeuervorgaben für alle Mitgliedstaaten und schlägt vor, einen Teil der Einnahmen künftig dem EU-Haushalt zuzuweisen.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.