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Startseite Erklärt Warum gibt es zwei verschiedene Arbeitslosenquoten?

Warum gibt es zwei verschiedene Arbeitslosenquoten?

Die eine Quote zählt Menschen, die bei der Arbeitsagentur oder dem AMS gemeldet sind, die andere beruht auf einer Befragung nach internationalen ILO-Regeln. Beide messen etwas anderes und erfassen teils andere Personen.

Die eine Zahl kommt aus dem Register der Behörden, die andere aus einer Befragung nach den Regeln der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Beide Quoten sind richtig, sie beantworten aber verschiedene Fragen: Wer ist gemeldet? Und wer sucht tatsächlich und könnte sofort anfangen?

Zwei Fragen führen zu zwei Zählungen

Registerzahl ILO-Zahl
Herkunft Arbeitsagentur, Jobcenter, AMS Arbeitskräfteerhebung (Befragung)
Meldung nötig? ja nein
Arbeit schließt aus ab Deutschland: 15 Wochenstunden; Österreich: über der Geringfügigkeitsgrenze einer bezahlten Stunde in der Woche
Suche und Verfügbarkeit nach Sozialrecht aktiv in den letzten vier Wochen, Start binnen zwei Wochen möglich

Die ILO-Zählung nennt man in Deutschland „Erwerbslose“, um sie von den „Arbeitslosen“ der Bundesagentur abzugrenzen. In Österreich heißt es nationale und internationale Definition.

Gemeint sind teils gar nicht dieselben Menschen

Statistik Austria hat das für 2015 durch die Verknüpfung beider Quellen nachgezählt. Das AMS wies im Jahresschnitt 354.300 Arbeitslose aus, die Befragung 251.800. Dahinter steckt keine Teilmenge:

  • 156.000 Personen galten in beiden Quellen als arbeitslos,
  • 197.000 nur beim AMS,
  • 96.000 nur in der Befragung.

Warum fehlten Gemeldete in der Befragung? Rund 73.000 arbeiteten zumindest eine Stunde und galten damit als erwerbstätig. Rund 105.000 suchten nicht aktiv, oft wegen Krankheit oder weil sie, etwa nach einer Saison, an den alten Arbeitsplatz zurückkehren wollten. Umgekehrt sucht manche junge Person Arbeit, ohne sich je zu melden. Für Deutschland betrug der Abstand 2015 laut derselben Quelle 845.000 Personen oder 2,1 Prozentpunkte.

Auch der Nenner unterscheidet sich

Die österreichische Registerquote teilt durch unselbstständig Beschäftigte plus gemeldete Arbeitslose. Die internationale Quote nimmt die Selbstständigen hinzu. Ein Rechenbeispiel: 300.000 Arbeitslose bei 3,7 Millionen Beschäftigten ergeben 7,5 Prozent. Kommen 500.000 Selbstständige in den Nenner, sind es mit denselben 300.000 nur noch 6,7 Prozent. Selbst bei gleicher Personenzahl wären die Quoten also verschieden.

Welche Quote wofür taugt

Das Register erfasst alle Gemeldeten vollständig und auch kleine Regionen, es hängt aber am jeweiligen Sozialrecht. Internationale Vergleiche funktionieren daher mit der ILO-Quote, die nach einheitlichen europäischen Regeln entsteht. Sie stammt aus einer Stichprobe und unterliegt Zufallsschwankungen. Vergleichen Sie also nie die Registerquote eines Landes mit der ILO-Quote eines anderen.

Quellen

Stand: November 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder Rentenberatung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

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