In Deutschland arbeiten laut Gallup Engagement Index 77 % der Beschäftigten im Dienst nach Vorschrift, sie erfüllen also lediglich die vertraglich vereinbarten Aufgaben.
Unternehmensberater Frank Lehmann beziffert das dadurch brachliegende Leistungspotenzial auf im Schnitt 15.000 Euro je besetzter Stelle und Jahr. Die Ursache liegt laut Lehmann nicht am fehlenden Willen der Beschäftigten, sondern an Methoden, die Forschung seit 25 Jahren widerlegt hat.
Gallup-Index misst 77 Prozent Dienst nach Vorschrift
Die Zahl stammt aus dem Gallup Engagement Index mit Stand 2025 und beschreibt den Anteil der Beschäftigten, die sich auf das vertraglich Notwendige beschränken. Für Unternehmen heißt das: Ein Großteil der Belegschaft bringt keine Leistung über das Vereinbarte hinaus ein. Auf einem durchschnittlichen Niveau bleiben dadurch pro besetzter Stelle und Jahr rund 15.000 Euro an Leistungsreserven ungenutzt, wie Lehmann vorrechnet.
Rechenbeispiel: 1,2 Millionen Euro bei 80 Beschäftigten
Wie sich die Summe in der Praxis auswirkt, zeigt ein Beispielunternehmen mit 80 Mitarbeitenden und einem Durchschnittsgehalt von 55.000 Euro. Bei einem von Lehmann ermittelten WI-Index von 41 bleibt ein Potenzial von rund 1,2 Millionen Euro pro Jahr ungehoben. Das entspricht mehr als einem Viertel der gesamten Lohnsumme von 4,4 Millionen Euro, die sich aus 80 Stellen zu je 55.000 Euro ergibt.
Seit 25 Jahren bekannt: Was Forschung über Leistungsbereitschaft zeigt
Dass Beschäftigte mehr leisten können als vertraglich gefordert, ist laut Lehmann wissenschaftlich seit über 25 Jahren dokumentiert. Mehrere unabhängige Forschungsrichtungen kommen dabei zu ähnlichen Schlüssen.
- Laut den Psychologen Edward Deci und Richard Ryan wächst die Leistungsbereitschaft, wenn Autonomie, Kompetenzerleben und soziale Einbindung gegeben sind.
- Die Harvard-Forscherin Amy Edmondson stellte 1999 fest, dass Teams sich nur dann weiterentwickeln, wenn Beschäftigte frei sprechen können, ohne Nachteile befürchten zu müssen.
- Eine Auswertung von 128 Einzelstudien ergab, dass Belohnungen für konkrete Aufgaben die eigentliche, innere Motivation untergraben können.
- Nach Erkenntnissen von Bernard Bass und Bruce Avolio steigert transformationale Führung die Leistung über das vertraglich Vereinbarte hinaus.
Was Frank Lehmann Unternehmen jetzt empfiehlt
Trotz dieser Forschungslage setzen Unternehmen laut Lehmann bei sinkendem Einsatz weiterhin auf Prämien, Leitbilder, Events und Seminare, deren Wirkung aus seiner Erfahrung aber meist nur bis zum nächsten Quartal anhält.
Wertschätzung werde in den meisten Betrieben als Haltungsfrage behandelt statt als messbare und steuerbare Größe, so Lehmann.
Auf dieser Grundlage hat er einen Index entwickelt, der Wertschätzung über sieben Motivationsfelder und vier Rollen im Unternehmen misst. Lehmann fordert, Aktivierung künftig wie jede andere Investition zu behandeln, also mit klaren Zielen und laufender Messung zu versehen. Dafür bietet er Unternehmen einen kostenlosen WI Quick Check mit 15 Fragen an, mit dem sich ein erster Ausgangswert ermitteln lässt.



