Am 5. November 2026 war in Österreich Equal Pay Day: Ab diesem Tag arbeiten Frauen bei gleichem Jahreseinkommen wie Männer statistisch gratis weiter. Grund ist eine Lohnlücke von 15,5 Prozent zwischen Männern und Frauen in Vollzeitbeschäftigung. Der Gender Pay Gap zählt damit laut Statistik Austria zu den größten in der Europäischen Union und bleibt hartnäckig, wie eine Auswertung des Momentum Instituts zeigt.
Die Zahl dahinter
Die 15,5 Prozent beziehen sich auf das Bruttojahreseinkommen Vollzeitbeschäftigter. Nach der EU-Berechnungsmethode, die den Bruttostundenlohn vergleicht, lag die Lücke 2024 bei 17,6 Prozent . Nur Estland und Tschechien melden eine noch größere Ungleichheit.
Rechenbeispiel
Männer in Vollzeit verdienten im Schnitt 67.988 Euro brutto im Jahr, Frauen 57.446 Euro. Die Differenz von 10.542 Euro entspricht den erwähnten 15,5 Prozent. Nach Alter wächst die Lücke deutlich: Unter 30-Jährigen beträgt sie 7 Prozent, bei 40- bis 49-Jährigen 16 Prozent, bei 50- bis 59-Jährigen liegt sie bei fast einem Fünftel.
Mütter verdienten 18,6 Prozent weniger als Väter, kinderlose Frauen 10,1 Prozent weniger als kinderlose Männer, in Managementpositionen beträgt der Abstand sogar fast ein Viertel.
Wenig Fortschritt seit 2016
2016 lag der Equal Pay Day noch am 11. Oktober, 2026 erst am 5. November. Die Verschiebung um rund drei Wochen innerhalb eines Jahrzehnts zeigt, wie langsam sich die Lücke schließt. Setzt sich dieses Tempo fort, wird völlige Einkommensgleichheit erst in mehreren Jahrzehnten erreicht.
MINT-Berufe schützen nicht
Auch gut bezahlte technische Berufe verhindern die Lohnlücke nicht dauerhaft. In den 1960er-Jahren arbeiteten überwiegend Frauen als Programmiererinnen. Der Lehrerberuf verlief umgekehrt: historisch männlich geprägt, stieg der Frauenanteil ab den 1980er-Jahren deutlich.
Eine US-amerikanische Studie belegt, dass Gehälter sinken, sobald der Frauenanteil in einem Beruf 60 Prozent übersteigt.
Selbst Frauen, die seit den 1970er-Jahren in klassische Männerberufe einstiegen, erlebten laut Achleitner im Lauf der Zeit eine Lohnabwertung.
Alltag bleibt ungleich
Mehr als jede zweite Frau in Österreich arbeitet Teilzeit, bei Männern sind es nur 13,7 Prozent. In Teilzeit verdienen Frauen im Schnitt 15,2 Euro pro Stunde, Männer bei gleicher Tätigkeit 18,4 Euro. Frauen leisten täglich 4,3 Stunden unbezahlte Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege, Männer 2,5 Stunden. 40,1 Prozent der Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit wegen Betreuungspflichten, bei Männern sind es nur 7,2 Prozent.
Die Frist zur Umsetzung der EU-Richtlinie zur Lohntransparenz, der rund 1,2 Millionen vom ÖGB vertretene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer betrifft, lief bereits am 7. Juni 2026 ab. Von 219 Unternehmen mit zusammen rund 76.700 Beschäftigten, die im Rahmen eines mit 10 Millionen Euro finanzierten Beratungsprojekts der Bundesregierung geprüft wurden, wies nur ein einziges Unternehmen keine Lohnungleichheit auf.



