Die EZB zielt auf 2 Prozent, weil sie darin die beste Balance sieht: Die Teuerung bleibt niedrig, aber es verbleibt ein Sicherheitsabstand zu fallenden Preisen. Festgelegt hat sie den Wert in dieser Form nach der Überprüfung ihrer Strategie im Juli 2021. Eine weitere Bewertung bestätigte ihn im Juni 2025, die nächste ist für 2030 geplant.
Vier Gründe sprechen gegen null
- Puffer gegen Deflation. Zinsen lassen sich nur begrenzt senken. Liegt die normale Inflation über null, bleibt mehr Raum, und die Notenbank muss seltener zu Mitteln wie Anleihekäufen greifen.
- Unterschiede im Euroraum. Das Ziel gilt für den Durchschnitt. Läge es bei null, müssten einige Länder negative Raten hinnehmen, um höhere Raten anderswo auszugleichen.
- Löhne. Die EZB nennt das Risiko, dass nach unten starre Löhne die Arbeitslosigkeit erhöhen, wenn Anpassungen nötig werden. Etwas Inflation erleichtert solche Anpassungen.
- Messfehler. Preisindizes können die wahre Teuerung leicht überzeichnen. Gemessene null Prozent könnten also schon fallende Preise bedeuten.
Der Wert musste erst klarer werden
Der heutige Satz ist neuer, als viele denken. Seit der vorangegangenen Überprüfung im Jahr 2003 hatte sich die Wirtschaft stark verändert, und die Aufgabe hatte sich teils umgekehrt: Statt zu verhindern, dass die Inflation zu hoch steigt, ging es zuletzt darum, sie vor einem zu tiefen Absinken zu bewahren. Seither gilt die Zahl ausdrücklich als symmetrisch. Eine Unterschreitung ist genauso unerwünscht wie eine Überschreitung. Niedrige Inflation ist also kein Erfolg an sich, auch wenn sie für Verbraucher so klingt.
Was 2 Prozent über ein Berufsleben bedeuten
Der Wert wirkt klein, summiert sich aber. Bei dauerhaft 2 Prozent verdoppelt sich das Preisniveau in rund 35 Jahren, denn 1,02 hoch 35 ergibt ungefähr 2. Was heute 100 Euro kostet, läge dann bei rund 200 Euro. Umgekehrt kaufen 100 Euro unter dem Kopfkissen nach 35 Jahren nur noch etwa das, was heute 50 Euro kaufen. Preisstabilität im Sinne der Notenbank heißt also nicht, dass Preise stabil bleiben, sondern dass sie vorhersehbar in moderatem Tempo steigen.
Das Ziel ist kein Monatswert
| Was das Ziel ist | Was es nicht ist |
|---|---|
| 2 Prozent auf mittlere Frist | eine Punktlandung in jedem Monat |
| gemessen am HVPI des Euroraums | die Rate in Deutschland oder Österreich |
| eine Rate für die künftige Teuerung | die Rückkehr zu einem früheren Preisstand |
Eine Rate von 2,8 Prozent in einem einzelnen Land ist also noch keine Zielverfehlung. Kurzfristige Spitzen und Täler sollen sich mit der Zeit ausgleichen. Liegen die Zinsen allerdings nahe ihrer Untergrenze und droht die Inflation zu niedrig zu bleiben, hält die EZB besonders kräftige oder lang anhaltende Maßnahmen für nötig, damit sich das nicht festsetzt.
Warum eine runde Zahl hilft
Die Klarheit ist selbst ein Instrument. Menschen richten Sparen, Kredite und Lohnforderungen nach ihren Inflationserwartungen aus. Eine leicht verständliche, öffentlich zugesagte Zahl macht diese Erwartungen genauer, und das erleichtert es, Preise tatsächlich stabil zu halten. Entfernen sich die Erwartungen zu weit nach unten, wird es laut EZB sehr schwer, die Preise wieder zum Ziel zu führen.
Quellen
- EZB, Preisstabilität: Ziel seit Juli 2021, Symmetrie, Sicherheitsmarge, Löhne, Messfehler
- EZB: Warum 2 Prozent, Unterschiede zwischen Euro-Ländern, HVPI, mittlere Frist
- EZB, Strategieüberprüfung: Vergleich mit 2003, Erwartungen
- EZB, Strategieüberprüfungen: Bewertung 2025, nächste 2030
Stand: November 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder Rentenberatung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.