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Was bedeutet die Schwankungsbreite bei Umfragen?

Die Schwankungsbreite gibt an, wie weit ein Umfragewert allein wegen der zufälligen Auswahl vom wahren Wert abweichen kann. Bei 1.000 Befragten sind das meist bis zu ±3 Prozentpunkte, bei Abständen zwischen Parteien mehr.

Die Schwankungsbreite gibt an, wie weit ein Umfragewert allein deshalb vom wahren Wert abweichen kann, weil nur eine Stichprobe befragt wurde. Meldet eine Umfrage 40 Prozent bei ±3 Punkten, liegt der wahre Wert wahrscheinlich zwischen 37 und 43 Prozent.

„Wahrscheinlich“ heißt hier: in 95 von 100 Fällen

Üblich ist ein Sicherheitsniveau von 95 Prozent. Würde man dieselbe Umfrage hundertmal wiederholen, lägen etwa 95 Ergebnisse innerhalb des Bereichs um den wahren Wert, etwa fünf daneben. Ein einzelner Ausreißer ist daher kein Skandal, sondern eingeplant. Innerhalb des Bereichs sind die Werte auch nicht gleich wahrscheinlich: Die Forschungsgruppe Wahlen weist darauf hin, dass Werte nahe der Mitte wahrscheinlicher sind als solche am Rand.

Kleine Anteile schwanken weniger als Anteile um 50 Prozent

Die Breite hängt nicht nur von der Fallzahl ab, sondern auch vom Anteil selbst. Für 1.000 Zufallsbefragte ergibt die Formel 1,96 × √(p × (1 − p) ÷ n):

Gemessener Anteil Schwankungsbreite Bereich
5 % ±1,4 3,6 bis 6,4 %
10 % ±1,9 8,1 bis 11,9 %
30 % ±2,8 27,2 bis 32,8 %
50 % ±3,1 46,9 bis 53,1 %

Das Politbarometer nennt für seine rechnerisch rund 1.250 Befragten denselben Zusammenhang: etwa ±3 Punkte bei 40 Prozent, etwa ±2 Punkte bei 10 Prozent.

Der häufige Irrtum: 30 zu 28 ist ein Vorsprung

Zwei Parteien liegen bei 30 und 28 Prozent, 1.000 Befragte. Viele legen nun nur ±3 Punkte an und finden die Lage knapp. Tatsächlich ist die Unsicherheit beim Abstand größer als bei jedem Einzelwert, weil beide Anteile aus derselben Stichprobe stammen und jede falsch zugeordnete Stimme doppelt zählt. Rechnerisch beträgt sie hier rund ±4,7 Punkte. Der gemessene Abstand von 2 Punkten ist damit vereinbar mit einem wahren Vorsprung von fast 7 Punkten, aber auch mit einem Rückstand. Das Pew Research Center nennt als Richtwert: Der Fehlerbereich für einen Abstand ist im Allgemeinen etwa doppelt so groß wie der für einen einzelnen Wert. Bei zwei Anteilen um 30 Prozent wie hier fällt er etwas kleiner aus.

Bewegung zwischen zwei Umfragen ist oft keine

Dieselbe Vorsicht gilt für „Partei X legt zu“. Steigt ein Wert von 30 auf 32 Prozent und wurden jeweils 1.000 Menschen befragt, liegt die Unsicherheit dieser Veränderung bei rund ±4 Punkten. Die 2 Punkte können echte Bewegung sein oder Zufall. Aussagekräftiger ist es, wenn mehrere Umfragen hintereinander in dieselbe Richtung zeigen.

Die Angabe erfasst nur einen Teil der möglichen Fehler

Die Formel kennt nur den Zufall der Auswahl. Nicht enthalten sind Menschen, die gar nicht erreichbar waren, unehrliche Antworten oder eine ungünstig formulierte Frage. Pew nennt diese Fehlerquellen schwer messbar; sie erscheinen in der Regel in keiner Fußnote. Bei Befragungen ohne Zufallsauswahl, etwa auf Websites, hat die Rechnung gar keine sichere Grundlage. Die Forschungsgruppe Wahlen begründet ihren Vertrauensbereich ausdrücklich damit, dass es sich um eine Zufallsstichprobe handelt. Ein dort angegebenes „±3“ sieht genauer aus, als es ist.

Quellen

Stand: November 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder Rentenberatung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

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