Ein Reallohnplus bedeutet, dass die durchschnittlichen Bruttolöhne stärker gestiegen sind als die Verbraucherpreise. Die Kaufkraft der Löhne wächst dann im Schnitt, aber nicht automatisch Ihre eigene.
Die Rechnung ist eine Division, keine Subtraktion
Das Statistische Bundesamt teilt den Nominallohnindex durch den Verbraucherpreisindex. Steigen die Löhne um 3 Prozent und die Preise um 2 Prozent, ergibt das:
1,03 : 1,02 = 1,0098, also rund 1,0 Prozent
Die schnelle Rechnung 3 minus 2 passt hier zufällig gut, bei größeren Werten weicht sie stärker ab. Löhne plus 10 und Preise plus 8 ergeben 1,9 Prozent und nicht 2. Für das zweite Quartal 2026 meldete das Bundesamt ein Nominalplus von 4,1 Prozent, einen Preisanstieg von 2,5 Prozent und ein Reallohnplus von 1,5 Prozent. Abweichungen zur eigenen Rechnung mit gerundeten Werten sind normal.
Ein Plus holt verlorene Jahre nicht automatisch auf
Die Veränderungsrate bezieht sich auf das Vorjahr. Sinkt ein Reallohn von 100 um 4 Prozent auf 96 und steigt im Folgejahr um 2 Prozent, steht er bei 97,92. Die Meldung „Reallohnplus“ wäre richtig, das alte Niveau aber noch nicht erreicht. Wer wissen will, ob frühere Verluste ausgeglichen sind, muss den Stand des Index vergleichen und nicht die letzte Rate.
Drei Dinge misst der Index nicht
- Das Netto: Der Nominallohnindex misst Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen. Steuern und Sozialabgaben sind nicht berücksichtigt. Erhöhen sie sich, kann netto wenig oder nichts vom Plus ankommen.
- Die Person: Es handelt sich um einen Durchschnitt aller Beschäftigten. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Nominallöhne bei Vollzeitkräften im untersten Fünftel um 6,7 Prozent, im obersten um 3,3 Prozent. Zwischen den Branchen lagen sie teils weit auseinander, von 8,9 Prozent in der Landwirtschaft bis 1,8 Prozent bei freiberuflichen und technischen Dienstleistungen.
- Den persönlichen Warenkorb: Gerechnet wird mit dem allgemeinen Verbraucherpreisindex. Wer überdurchschnittlich viel für Energie oder Miete zahlt, kann eine andere Teuerung spüren.
Warum ein Stellenwechsel nicht zählt
Der Nominallohnindex ist ein Kettenindex, der die Beschäftigtenstruktur des Vorjahres festhält. Wechseln viele Menschen in besser bezahlte Branchen, schlägt das nicht als Lohnerhöhung durch. So soll die reine Verdienstentwicklung sichtbar bleiben. Ein Durchschnittslohn, den Sie selbst aus Lohnsumme und Beschäftigtenzahl berechnen, kann sich darum anders entwickeln.
Die hier beschriebene Berechnung gilt für Deutschland. Für andere Länder ist zu prüfen, welche Lohnreihe gemeint ist.
Quellen
- Statistisches Bundesamt, Reallöhne und Nominallöhne: Formel, Bruttomonatsverdienste, Kettenindex
- Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 27. August 2026: Werte zweites Quartal 2026, Branchen, Verdienstgruppen
Stand: November 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder Rentenberatung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.