5,8 % weniger Netzentgelte 2027: Warum Klagenfurt spart, während Kärnten draufzahlt
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Die Netzentgelte 2027 fallen in Österreich regional sehr unterschiedlich aus. Die E-Control Austria hat am 29. Oktober 2026 einen Verordnungsentwurf zur Tarifordnung in Begutachtung geschickt, der für den Netzbereich Klagenfurt eine Senkung des Netznutzungsentgelts um 5,8 % vorsieht.
Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden profitiert laut Energie Klagenfurt von dieser Senkung. Die Energie Klagenfurt ist Tochter der Stadtwerke Klagenfurt AG und unterliegt als Verteilnetzbetreiber der behördlichen Kostenkontrolle.
Die Begutachtungsfrist für die neuen Tarife läuft bis zum 20. November 2026, die endgültigen Werte stehen damit noch nicht fest.
Kärnten zahlt 2027 bis zu 9,6 % mehr
Während Klagenfurt entlastet wird, sieht der Entwurf für den übrigen Kärntner Netzbereich nach dem bisherigen Berechnungssystem eine Erhöhung der Netzentgelte um 9,6 % vor. Für einen Haushalt mit demselben Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden bedeutet das eine zusätzliche Jahresbelastung.
Österreichweit sollen die Netzentgelte nach dem bisherigen System dagegen im Schnitt um 3,6 % sinken, Klagenfurt und Kärnten liegen damit an den gegenüberliegenden Enden der Entwicklung.
Rechenbeispiel
Für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch ergibt sich 2027 nach dem bisherigen Berechnungssystem folgendes Bild: In Klagenfurt sinkt die jährliche Netzkosten-Belastung um etwa 24 Euro, im übrigen Kärnten steigt sie um rund 50 Euro. Zwischen den beiden Netzbereichen liegt damit eine Differenz von etwa 74 Euro im Jahr, obwohl beide Haushalte denselben Verbrauch haben.
Warum künftig auch die Leistungsspitze zählt
Neben dem bisherigen System hat die E-Control einen zweiten Berechnungsweg vorgelegt, der zusätzlich zur verbrauchten Strommenge die gleichzeitig benötigte elektrische Leistung berücksichtigt.
Nach diesem neuen System sollen die Netzentgelte in Kärnten um 4,7 % steigen und in Klagenfurt um 3,2 % sinken – die Unterschiede fallen damit kleiner aus als im bisherigen Modell. Ziel ist laut E-Control eine verursachungsgerechte Verteilung der Netzkosten, weil Stromnetze auf Leistungsspitzen ausgelegt werden müssen, nicht nur auf die Gesamtmenge an Strom.
Langfristig ist eine Aufteilung der Netzentgelte zwischen Arbeits- und Leistungspreis im Verhältnis 50 zu 50 geplant. Netzbetreiber können selbst entscheiden, wann sie zwischen dem 1. Januar 2027 und spätestens 1. Juli 2028 auf das neue System mit Leistungspreis umstellen. Einen österreichweit einheitlichen Umstellungstermin zu Jahresbeginn 2027 gibt es damit nicht.
Was die E-Control für Haushalte erwartet
Für durchschnittliche Haushaltskunden ohne leistungsstarke Geräte erwartet die E-Control kaum Auswirkungen auf die Stromrechnung. Als Beispiel für eine leistungsstarke Anwendung nennt die Behörde den Betrieb einer Sauna. Zusätzlich soll ein Tarif für flexible Strombereitstellung Anreize schaffen, Wärmepumpen zeitversetzt zu betreiben oder Elektroautos verzögert zu laden, wenn im Netz Kapazitäten frei sind.
Die Kostenkontrolle durch die E-Control soll demnach sicherstellen, dass Investitionen und Netzentgelte im Gleichgewicht bleiben.