Pensionsdauer in Österreich: Warum AMS-Chef Kopf und Gewerkschaft um dieselbe Zahl streiten
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Wie lange Menschen in Österreich tatsächlich in Pension sind, lässt sich derzeit nicht mit einer einzigen belastbaren Zahl beantworten. Trotzdem ist das Pensionsalter wieder verstärkt Thema der öffentlichen Diskussion, seit AMS-Vorstand Johannes Kopf eine Anhebung gefordert hat. Die Gewerkschaft GPA widerspricht ihm mit eigenen Zahlen zum Arbeitsmarkt für Ältere.
Die Debatte dreht sich damit weniger um die Pensionsdauer selbst als um die Frage, ob ältere Beschäftigte überhaupt bis zum regulären Pensionsantritt arbeiten können. Genau hier setzen die Gegenargumente der Gewerkschaft an.
Warum fordert der AMS-Chef ein höheres Pensionsalter?
Johannes Kopf begründet seine Forderung damit, dass sich das faktische Pensionsalter aus seiner Sicht nicht im gleichen Tempo entwickelt habe wie die Lebenserwartung. Er argumentiert für eine Anhebung des Pensionsalters, ohne dass dazu eine eigene Zahl zur durchschnittlichen Pensionsdauer vorliegt.
GPA-Vorsitzende Barbara Teiber widerspricht dieser Argumentation nicht grundsätzlich, zieht daraus aber eine andere Konsequenz. Ihren Angaben zufolge wuchs das faktische Pensionsalter in den vergangenen 25 Jahren schneller als die Lebenserwartung, weshalb sie eine weitere Anhebung für nicht gerechtfertigt hält.
Was spricht aus Sicht der Gewerkschaft gegen eine Anhebung?
Teiber verweist darauf, dass viele Betriebe ältere Beschäftigte gar nicht erst einstellen. Laut GPA gibt ein Drittel der Unternehmen ab 20 Beschäftigten an, niemanden über 60 Jahren einzustellen. Ein höheres Pensionsalter würde diese Gruppe demnach zunächst in die Arbeitslosigkeit statt in neue Jobs schicken.
Die GPA fordert deshalb einen verstärkten Kampf gegen Arbeitslosigkeit statt einer Erhöhung des Pensionsalters. Nach GPA-Angaben geht zudem jede dritte Frau aus Arbeitslosigkeit oder Krankheit in Pension, nicht aus regulärer Beschäftigung heraus.
Welche Lösungen schlagen Seniorenverbände vor?
Der Seniorenbund unter Ingrid Korosec fordert altersgerechte Arbeitsplätze und eine stärkere betriebliche Gesundheitsvorsorge, damit ältere Beschäftigte länger im Job bleiben können. Zusätzlich sollen Anreizsysteme Unternehmen dazu bewegen, mehr Ältere zu beschäftigen.
Der Pensionistenverband unter Birgit Gerstorfer schlägt ein Bonus-Malus-Modell vor: Betriebe, die wenige Ältere beschäftigen, sollen stärker belastet werden als solche, die das Potenzial nutzen. Eine eigene Zahl zur Pensionsdauer liefert aber auch diese Position nicht.
Nach Angaben der GPA sieht sich jeder dritte Beschäftigte außerstande, seine derzeitige Tätigkeit gesundheitlich bis zum Pensionsantritt durchzuhalten. Diese Angabe zeigt, dass die Debatte über das Pensionsalter in Österreich enger mit der Arbeitsfähigkeit verknüpft ist als mit der reinen Pensionsdauer.