Netzentgelte 2027: Warum Leistungsspitzen künftig deutlich teurer werden
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Ab dem 1. Januar 2027 gilt in Österreich eine neue Grundsatzverordnung für Stromnetztarife, mit der die Netzentgelte 2027 grundlegend umgebaut werden. Die Regulierungsbehörde E-Control führt einen Leistungspreis ein, der das gleichzeitige Laden großer Stromgeräte wie E-Autos und Wärmepumpen mit voller Leistung teurer macht. Langfristig soll die Reform die jährlichen Netzkosten um rund 300 Millionen Euro senken.
Bislang machte der Arbeitspreis, also die reine Verbrauchsmenge, bei Haushalten rund 80 % der Netzgebühr aus, der Leistungspreis nur 20 %. Künftig soll dieses Verhältnis schrittweise angeglichen werden, sodass Arbeits- und Leistungspreis gleich hoch ausfallen. In der ersten Umsetzungsphase ab 2027 liegt der Leistungspreis-Anteil bei 40 %, bis spätestens Mitte 2028 müssen alle Netzbetreiber umgestellt haben.
Warum die Netzentgelte 2027 sich grundlegend ändern
Die bisherige Tarifstruktur ist nach Angaben der E-Control etwa 25 Jahre alt und für eine Stromversorgung mit wenigen großen Kraftwerken entwickelt worden. Mit der Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung legt die Behörde die größte Reform der Netzentgelte seit Beginn der Liberalisierung vor. Grundlage für die Einsparung von 300 Millionen Euro jährlich sind Benchmarking-Daten der Netzbetreiber.
Gemessen wird der neue Leistungspreis über intelligente Stromzähler, die den höchsten Viertelstundenwert eines Monats erfassen. Bei Niederspannungskunden gibt es zwei Leistungspreisstufen mit einer Schwelle bei 10 Kilowatt; zunächst wird allen Kunden eine Bezugsleistung von 10 Kilowatt ohne Nachverrechnung zugeordnet, auch wenn ihre bisher vereinbarte Leistung niedriger lag.
Was Leistungsspitzen für Haushalte und Betriebe teuer macht
Leistungsspitzen entstehen, wenn mehrere Verbraucher gleichzeitig hochfahren – etwa Maschinen, Kühlanlagen oder Ladeinfrastruktur für E-Autos, die die Last erheblich erhöhen und stark schwanken lassen kann.
Haushalte ohne große Stromverbraucher sind von der neuen Kostenstruktur laut Strebl kaum betroffen und profitieren indirekt von insgesamt geringeren Netzkosten. Anders sieht es bei Betrieben mit schwankendem Verbrauch aus, für die Lastspitzen schon jetzt ins Gewicht fallen.
Rechenbeispiel
Wie teuer eine einzelne Spitze werden kann, zeigt eine Beispielrechnung für Unternehmen: Ein Supermarkt mit einer durchschnittlichen Leistung von 200 Kilowatt verursacht bei einer zusätzlichen Leistungsspitze von 4 Kilowatt und einem Leistungspreis von 300 Euro pro Kilowatt Mehrkosten von rund 1.200 Euro im Jahr.
Bei Großunternehmen mit deutlich höherem Grundverbrauch können sich solche Mehrkosten auf mehrere zehntausend Euro jährlich summieren. Ein gleichmäßiger Verbrauch führt dagegen zu geringeren Leistungspreiskosten als ein stark schwankender.
Wie Kunden die höheren Netzentgelte 2027 abfedern können
Die E-Control hat parallel mehrere Rabattmodelle eingeführt. Der Sommer-Nieder-Arbeitspreis gilt bereits seit April 2026 täglich von 10 bis 16 Uhr und senkt den Netz-Arbeitspreis um 20 %. Ab 1. Oktober 2027 kommt ein Winter-Nieder-Arbeitspreis hinzu, der Verbrauch zwischen 23 und 5 Uhr im Winterhalbjahr vergünstigt.
Wer sich verpflichtet, seine Leistung zweimal täglich für je zwei Stunden drosseln zu lassen, erhält einen Rabatt von 75 % auf den Leistungspreis. Dieses Modell der flexiblen Netznutzung ersetzt die bisherigen unterbrechbaren Tarife, die rund 500.000 Kunden in Österreich genutzt hatten. Der neue Flex-Tarif ist laut E-Control für zehn Jahre ab Start garantiert, die Mindestgröße liegt bei 4 Kilowatt.
Speicherbetreiber hatten die ursprüngliche Verordnung kritisiert und vor einer Verzögerung des Speicherausbaus gewarnt; die E-Control betont dagegen, die Regelung sei kein Förderinstrument, sondern diene der effizienten Netzauslastung und einer verursachergerechten Kostenverteilung. Für neue Photovoltaikanlagen bis 15 Kilowatt an bestehendem Netzanschluss entfällt zudem der pauschale Anteil der Netzanschlusskosten.