Fernwärmepreise für ein Drittel der Haushalte: Warum eine Schlichtungsstelle fehlt
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Jeder dritte Haushalt in Österreich heizt mit Fernwärme, und bei den meisten davon gibt es keine Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln. Nach einer Branchenuntersuchung zu den Preisen bei Fernwärme empfiehlt die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) deshalb unter anderem eine unabhängige Schlichtungsstelle. Konkrete Zahlen zu überhöhten Preisen liefert der Abschlussbericht dabei nicht.
Die Zahl dahinter
Fernwärme ist das meistgenutzte Heizsystem des Landes, und in jedem Versorgungsgebiet tritt nur ein Anbieter auf. Drei Unternehmen betreiben zusammen etwa die Hälfte der erfassten Netzlänge, die zehn größten Betreiber kommen auf rund 85 %.
Die BWB hatte ihre Untersuchung im August 2024 eingeleitet, nachdem vermehrt Beschwerden über hohe und voneinander abweichende Preise eingegangen waren. Der nun vorliegende Abschlussbericht enthält 14 Empfehlungen zur Verbesserung des Marktes.
Markt ohne Wechsel
Wer einmal an ein Fernwärmenetz angeschlossen ist, kommt davon kaum wieder los. Ein Wechsel zu einem anderen Heizsystem ist für Privathaushalte laut BWB oft nicht oder nur schwer möglich, die durchschnittliche Vertragsdauer liegt bei 9,5 Jahren.
Wer zur Miete wohnt, hat auf die Entscheidung für ein bestimmtes Heizsystem meist ohnehin keinen Einfluss. Diese eingeschränkte Wahlfreiheit bewertet die Behörde als zentrales Strukturproblem des Marktes.
Ursachen der Beschwerden
Anders als vermutet richten sich die meisten Konsumentenbeschwerden laut Verbraucherschlichtung Austria seltener gegen den reinen Energiepreis als gegen Probleme bei Erfassung und Abrechnung. Hohe Wärmeverluste innerhalb von Gebäuden, angezweifelte Verbräuche, veraltete Messmethoden und nicht nachvollziehbare Teilbetragsvorschreibungen sind häufige Streitpunkte.
Ungünstige Verschiebungen der Energiegesamtkosten zwischen Abrechnungsperioden führen nach Angaben der Schlichtungsstelle teils zu existenzbedrohenden Belastungen für Haushalte. Hinzu kommt aus Sicht der BWB, dass komplexe Preisänderungsklauseln es Kundinnen und Kunden erschweren, Preisanpassungen überhaupt nachzuvollziehen.
Schlichtung in Zahlen
Die Verbraucherschlichtung Austria ist seit 2016 als staatlich anerkannte Stelle für Fernwärme und Heizkostenabrechnung tätig und hat seither etwa 1.800 Anträge bearbeitet. Seit 2023 pendeln sich die jährlichen Fallzahlen bei 300 bis 400 ein.
Die Beteiligungsquote der betroffenen Unternehmen liegt über 97 %, in rund 70 % der Fälle kommt eine einvernehmliche Lösung zustande. Über diesen Weg wurden Konsumentinnen und Konsumenten bereits rund 420.000 Euro zurückerstattet oder erlassen. Die Schlichtungsstelle erklärt sich bereit, künftig mehr Verantwortung im Fernwärme- und Heizkostensektor zu übernehmen.
Fehlende Regulierungsstelle
Die BWB erkennt in ihrer Auswertung dabei keine Anzeichen dafür, dass die Branche insgesamt Gewinne über das durch Kosten erklärbare Maß hinaus gesteigert oder Preise missbräuchlich angehoben hätte; den Preisanstieg führt sie vor allem auf gestiegene Brennstoffkosten während der Energiekrise zurück.
Während Strom- und Gaskunden auf eine eigene Regulierungsbehörde und eine unabhängige Schlichtung zurückgreifen können, fehlen solche Instanzen im Fernwärmebereich bislang vollständig.