40 Prozent schlafen zu wenig: Was der Social Jetlag mit der Wirtschaft macht
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Etwa 40 % der Erwachsenen in Deutschland schlafen an Arbeitstagen weniger als sieben Stunden. Diese Zahl nennt der Chronobiologe Till Roenneberg, der die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) in Wiesbaden mit einem Hauptvortrag eröffnen soll. Im Zentrum seines Vortrags steht der sogenannte Social Jetlag – die Abweichung zwischen biologischer Uhr und Arbeitsalltag.
Nach seiner Darstellung entfällt davon fast die Hälfte allein auf die Folgen des Social Jetlag. Die Zahlen sind Teil seines angekündigten Tagungsbeitrags und noch nicht abschließend veröffentlicht.
Was Social Jetlag bedeutet
Social Jetlag entsteht laut Roenneberg, wenn die biologische Uhr eines Menschen nicht mit Arbeits- und Schulzeiten synchron läuft. Der Wecker beendet dann häufig den Schlaf, bevor das biologische Programm abgeschlossen ist. Der Effekt ähnelt einem echten Jetlag, nur ohne Flugreise – der Körper bleibt sozusagen in einer anderen Zeitzone als der Terminkalender.
Nach Roennebergs Darstellung hat sich der menschliche Organismus im Laufe einer sehr langen Entwicklungsgeschichte auf den natürlichen Rhythmus von Hell und Dunkel eingestellt. Moderne Arbeits- und Lebenswelten geben seiner Einschätzung nach zunehmend andere Taktgeber vor als dieses biologische Programm.
Licht als Taktgeber
Ein wesentlicher Faktor ist nach Angaben Roennebergs der Umgang mit Licht. Tagsüber halten sich demnach viele Menschen zu kurz im Freien auf, abends dagegen zu lange vor künstlichen Lichtquellen. Durch diesen Lichtmangel am Tag und das künstliche Licht am Abend verschiebt sich die innere Uhr nach hinten – der Mensch wird biologisch „später“, während Arbeitszeiten unverändert früh beginnen.
Diese Verschiebung trifft laut Roenneberg nicht nur einzelne Berufsgruppen wie Schichtarbeiter, sondern einen Großteil der arbeitenden Bevölkerung, deren Tagesablauf von festen Bürozeiten statt vom eigenen biologischen Rhythmus bestimmt wird.
Folgen für Gesundheit und Betrieb
Chronischer Schlafmangel beeinträchtigt nach Einschätzung Roennebergs nahezu alle Bereiche körperlicher und psychischer Gesundheit und erhöht das Erkrankungsrisiko. Zugleich wirkt sich Schlafmangel unmittelbar auf Leistungsfähigkeit und Produktivität aus – ein Zusammenhang, den er als zentralen Wirtschaftsfaktor seines Vortrags einordnet.
Nach Auffassung der DGSM wirken sich Arbeitszeitmodelle, Schichtpläne sowie die allgemeine Gestaltung von Alltag und Berufsleben gleichermaßen auf Wohlbefinden, Gesundheitszustand, Leistungsfähigkeit und wirtschaftlichen Erfolg aus.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.