Zum Inhalt springen
Startseite Erklärt Warum werden Daten saisonbereinigt?

Warum werden Daten saisonbereinigt?

Daten werden saisonbereinigt, damit Monate direkt vergleichbar werden: Herausgerechnet wird, was jedes Jahr um dieselbe Zeit ähnlich stark passiert. Ein ungewöhnlich harter Winter oder ein Streik bleibt dagegen sichtbar.

Daten werden saisonbereinigt, damit sich Monate direkt vergleichen lassen. Herausgerechnet wird, was jedes Jahr um dieselbe Zeit in ähnlicher Stärke passiert. Was übrig bleibt, zeigt die Entwicklung, die der Kalender nicht erklärt.

Ein Januar-Anstieg kann gute oder schlechte Nachricht sein

Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit nennt genau diesen Fall: Steigt die Arbeitslosigkeit im Januar, kann das eine Verschlechterung sein oder der übliche Effekt des Monats. Gedachte Zahlen zeigen den Unterschied:

Jahr A Jahr B
Anstieg im Januar, Ursprungswert +190.000 +150.000
Üblicher Januar-Anstieg 170.000 170.000
Saisonbereinigt +20.000 −20.000

In beiden Jahren meldet die Schlagzeile mehr Arbeitslose. Saisonbereinigt verschlechtert sich die Lage nur in Jahr A, in Jahr B entspannt sie sich sogar. Das tatsächliche Verfahren arbeitet mit Faktoren statt mit festen Beträgen, das Prinzip bleibt aber dasselbe.

Jahreszeiten wirken je nach Branche in verschiedene Richtungen

Eurostat nennt als Beispiele, dass Hotelumsätze in den Ferien steigen, während die Industrieproduktion im Sommer tendenziell schwächelt. Das Statistische Bundesamt verweist auf Witterung und die üblichen Rückgänge in Urlaubsmonaten. Saisoneffekte unterscheiden sich außerdem nach Land und Wirtschaftsstruktur. Darum bekommt jede Zeitreihe eine eigene Schätzung. Eine Wirtschaftsgröße lässt sich laut Eurostat in vier Teile zerlegen: den allgemeinen Trend, den Konjunkturzyklus, die Saison und unregelmäßige Ausschläge.

Der häufige Irrtum: Bereinigt heißt, alles Störende ist weg

Die Deutsche Bundesbank stellt klar, was nicht verschwindet: Herausgefiltert wird nur der übliche Saisonausschlag. Ein besonders kalter Winter oder eine ungewöhnliche Lage der Ferien bleibt in dem Maß sichtbar, wie er vom saisontypischen Mittel abweicht. Auch Streiks, Großaufträge oder Folgen politischer Maßnahmen werden grundsätzlich nicht entfernt. Genau deshalb ist eine bereinigte Reihe auch kein glatter Trend, sie kann weiter springen. Fällt der Bau wegen eines Rekordfrosts aus, sieht man das, soweit der Frost über das Übliche hinausgeht.

Kalender und Saison sind zwei Bereinigungen

Neben der Jahreszeit stört der Kalender: Monate haben unterschiedlich viele Arbeits- und Verkaufstage. Hat ein März 23 statt 21 Arbeitstage, sind das rund 10 Prozent mehr Zeit zum Produzieren, ohne dass die Betriebe schneller geworden wären. Das Statistische Bundesamt führt deshalb häufig zusätzlich eine Kalenderbereinigung durch, die Bundesbank zählt sie zu ihrem Verfahren, sofern sich der Einfluss nachweisen lässt. Wer Zahlen liest, sollte auf den Zusatz achten: „kalender- und saisonbereinigt“, „nur kalenderbereinigt“ oder „Originalwert“. Die Bundesbank bietet bei der Produktion alle drei Fassungen an.

Saisonbereinigte Zahlen ersetzen die Originalwerte nicht

Beide beantworten verschiedene Fragen. Wie viele Menschen sind gerade arbeitslos? Das sagt der Ursprungswert. Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt unabhängig von der Jahreszeit? Das zeigt der bereinigte Wert. Die Bereinigung beruht zudem auf einem statistischen Modell: Die Bundesbank und das Statistische Bundesamt nutzen das Verfahren X13 in der Software JDemetra+. Das Saisonmuster wird aus der Vergangenheit geschätzt, nicht gemessen. Ändert sich das Muster plötzlich, kann die Schätzung danebenliegen. Auch bei Inflationsraten spielt die Saison eine geringere Rolle, weil sie ohnehin mit dem Vorjahresmonat rechnen.

Quellen

Stand: November 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder Rentenberatung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

Teilen

Das könnte Sie auch interessieren