Das Geld auf dem Konto verliert nicht an Nennwert, sondern an Kaufkraft. Sobald die Inflation höher ist als der Zins nach Steuern, können Sie sich vom selben Guthaben Jahr für Jahr weniger kaufen, obwohl der Kontostand steigt.
10.000 Euro über zehn Jahre
Angenommen werden 1 Prozent Zins und 3 Prozent Inflation, beides frei gewählt und ohne Steuern.
| Kontostand | In Kaufkraft von heute | |
|---|---|---|
| Start | 10.000 € | 10.000 € |
| Nach 1 Jahr | 10.100 € | 9.806 € |
| Nach 10 Jahren | 11.046 € | 8.219 € |
Der Kontoauszug zeigt ein Plus von 1.046 Euro, die Kaufkraft sinkt um 1.781 Euro. Die Rechnung lautet 1,01 hoch 10 geteilt durch 1,03 hoch 10. Das ist der Unterschied zwischen nominal und real. Einen Verlust im Sinne einer Abbuchung gibt es dabei nicht.
Die Steuer drückt das Ergebnis weiter
Besteuert wird der nominale Zins, auch wenn er real gar kein Gewinn war.
- Deutschland: Auf Kapitalerträge fallen 25 Prozent Einkommensteuer an, dazu 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf diese Steuer, zusammen 26,375 Prozent ohne Kirchensteuer. Erträge bis 1.000 Euro im Jahr, bei zusammen veranlagten Ehegatten 2.000 Euro, bleiben durch den Sparer-Pauschbetrag frei.
- Österreich: Für Geldeinlagen bei Kreditinstituten gilt ein besonderer Steuersatz von 25 Prozent. In den anderen Fällen des § 27a beträgt er 27,5 Prozent.
Bei 100 Euro Zinsen über dem Freibetrag bleiben in Deutschland 73,63 Euro, in Österreich 75 Euro. Aus 3 Prozent Zins werden so rund 2,2 Prozent nach Steuern. Bei einer Inflation von 3 Prozent bleibt also trotz scheinbar gleich hoher Sätze ein reales Minus von rund 0,8 Prozent.
Warum Sparzinsen oft darunter bleiben
Für den Zinsanstieg ab 2022 zeigte die Bundesbank: Spareinlagen und täglich fällige Einlagen wurden nur wenig angehoben, Termineinlagen deutlich stärker. Eine Zeit hoher Inflation geht also nicht automatisch mit einem Sparzins einher, der sie ausgleicht. In der Negativzinsphase zuvor lag der Zins täglich fälliger Einlagen privater Haushalte sehr nahe bei null. Die EZB selbst nennt den Kaufkraftverlust ausdrücklich: Bei steigenden Preisen kaufen Einkommen und Ersparnisse weniger als zuvor.
Der häufige Irrtum: Nur hohe Inflation ist ein Problem
Auch das EZB-Ziel von 2 Prozent frisst sich auf Dauer durch. Ein Guthaben ohne Zinsen verliert dabei in 35 Jahren etwa die Hälfte seiner Kaufkraft, denn 1,02 hoch 35 ergibt rund 2. Niedrige Raten sind langsamer, aber nicht wirkungslos. Umgekehrt ist auch eine einzelne hohe Rate nicht die ganze Geschichte. Es zählt die Summe der Jahre und das, was der Zins dagegenhält.
Was die Zahl nicht sagt
Die amtliche Inflationsrate ist ein Durchschnitt. Sparen Sie für etwas Bestimmtes, etwa ein Haus oder eine Ausbildung, kann die relevante Teuerung anders ausfallen. Sicherheit und jederzeitiger Zugriff sind ebenfalls ein Wert, den diese Rechnung nicht in Euro erfasst.
Quellen
- § 32d EStG: Steuersatz 25 Prozent
- § 20 Abs. 9 EStG: Sparer-Pauschbetrag
- § 4 SolzG 1995: Zuschlagsatz 5,5 Prozent
- § 27a EStG 1988 Österreich: besondere Steuersätze 25 und 27,5 Prozent
- Bundesbank, Monatsbericht Juni 2023: Zinsen auf täglich fällige, Spar- und Termineinlagen
- EZB: Kaufkraftverlust bei steigenden Preisen
Stand: November 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder Rentenberatung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.