1 Billion Euro Finanzvermögen: Warum die Sparquote der Österreicher trotzdem sinkt
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Erstmals besitzen private Haushalte in Österreich mehr als eine Billion Euro Finanzvermögen, wie die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) mitteilt. Das Vermögen wuchs im zweiten Quartal 2026 deutlich gegenüber dem Vorjahr.
Der Rekord kommt nicht über Nacht: Binnen zehn Jahren ist das Finanzvermögen der heimischen Haushalte um 60 % gewachsen. Gleichzeitig sinkt die Sparquote, und Wertpapiere gewinnen an Bedeutung gegenüber dem klassischen Sparbuch.
Woher stammt die Rekordsumme?
Die OeNB erhebt das Finanzvermögen der privaten Haushalte vierteljährlich aus Bankeinlagen, Wertpapieren und Unternehmensbeteiligungen. Die aktuelle Zahl von 1.011 Milliarden Euro bezieht sich auf das zweite Quartal 2026 und bedeutet ein Plus von 7 % gegenüber dem Vorjahr. Über die vergangene Dekade hinweg hat sich der Zuwachs auf 60 % summiert, was den langfristigen Trend zu mehr Finanzvermögen in Österreich bestätigt.
Wie verteilt sich das Vermögen auf die Haushalte?
Trotz des Rekords bleibt die Struktur des Vermögens traditionell geprägt: Bankeinlagen sind weiterhin die größte Kategorie, Beteiligungen und Wertpapiere folgen mit deutlichem Abstand.
- Bankeinlagen machen mit rund 341 Milliarden Euro einen Anteil von 34 % am gesamten Finanzvermögen aus.
- Beteiligungen, etwa an GmbHs oder Privatstiftungen, kommen auf einen Anteil von 24 %.
- Wertpapiere erreichen fast ein Viertel des Finanzvermögens, davon entfallen 132 Milliarden Euro auf Investmentfonds.
- Innerhalb der Wertpapiere stehen börsennotierte Aktien mit 63 Milliarden Euro und verzinsliche Wertpapiere mit 47 Milliarden Euro zu Buche.
Laut OeNB hat sich der Anteil der Wertpapiere am Finanzvermögen innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Das deutet darauf hin, dass Haushalte zunehmend auf Kapitalmärkte statt auf das klassische Sparbuch setzen.
Warum sinkt die Sparquote trotz Rekordvermögen?
Parallel zum wachsenden Vermögen ist die Sparquote 2025 um 1,8 Prozentpunkte auf 9,7 % gesunken. Für das zweite Quartal 2026 rechnet das WIFO mit einem weiteren Rückgang auf 8,4 %. Das bedeutet: Haushalte legen einen kleineren Teil ihres Einkommens zurück, obwohl das bereits vorhandene Vermögen weiter wächst.
Auch die Schuldenseite entwickelt sich moderat: Die Finanzverpflichtungen der Haushalte beliefen sich 2025 auf 213 Milliarden Euro und stiegen um 1 % gegenüber dem Vorjahr, im Juni 2026 lagen sie bei 214 Milliarden Euro.
Die Verschuldung in Relation zum Finanzvermögen beträgt in Österreich damit 21 %, im Euroraum liegt dieser Wert mit 26 % deutlich höher. Beim Financial Literacy Score der OECD erreichen Österreicher im Schnitt 69 von 100 möglichen Punkten.
Die sinkende Sparquote bei gleichzeitig wachsendem Vermögen lässt sich laut OeNB-Daten vor allem mit Kurssteigerungen bei Wertpapieren erklären, die das Vermögen auch ohne zusätzliches Neusparen anwachsen lassen.