Deutschland hat 2025 Energie im Wert von rund 76 Milliarden Euro eingeführt. Diese Angabe stammt aus einer Untersuchung des Öko-Instituts, die im Auftrag des WWF Deutschland entstand. Damit deckte Deutschland 66 % seines Primärenergiebedarfs durch Nettoimporte.
76 Milliarden Euro gab Deutschland 2025 für Energieimporte aus
Die Summe steht für den Nettowert aller eingeführten Energieträger abzüglich der Exporte. Besonders deutlich zeigt sich die Abhängigkeit bei Mineralöl: Deutschland importiert nahezu seinen gesamten Bedarf. Auch bei Erdgas liegt der importierte Anteil bei 90 %.
Zum Vergleich: Die gesamte EU deckte 2025 nur 57 % ihres Primärenergiebedarfs durch Importe. Deutschland liegt damit über dem europäischen Durchschnitt.
Die EU zahlte fast viermal so viel wie Deutschland
Auf EU-Ebene beliefen sich die Nettoimportkosten für Energie 2025 auf 296 Milliarden Euro, die Gesamtimportkosten ohne Abzug von Exporten lagen bei 399 Milliarden Euro. Beide Werte liegen deutlich über den deutschen 76 Milliarden Euro, was den Anteil Deutschlands am europäischen Energiehandel widerspiegelt.
Frühere Jahre machen die starken Schwankungen sichtbar: Zu Beginn des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 lagen die Energieimportkosten in Europa beim 2,8-Fachen des Werts von 2015. Auch Deutschlands Nettoimportkosten erreichten 2022 mit 143 Milliarden Euro ihren bisherigen Höchststand, fast doppelt so hoch wie 2025.
Weniger Kohle, mehr Flüssiggas: So verändert sich der Energiemix
Zwischen 2015 und 2025 ist die importierte Energiemenge Deutschlands um ein Viertel zurückgegangen. In der gesamten EU sank die importierte Energiemenge im selben Zeitraum um 10 %. Besonders stark fiel der Rückgang bei Kohleimporten aus: Sie sanken EU-weit um 60 %.
Gleichzeitig verschob sich die Struktur der Gasimporte. Der Anteil von verflüssigtem Erdgas (LNG) an den EU-Gasimporten stieg von 10 % im Jahr 2015 auf 40 % im Jahr 2025. Pipeline-Gas verlor damit deutlich an Bedeutung gegenüber Tankerlieferungen.
Fachleute warnen vor anhaltender Abhängigkeit
Dr. Felix Chr. Matthes vom Öko-Institut hält sinkende Einfuhrmengen für sich genommen nicht für ausreichend, um die wirtschaftlichen Gefahren der fossilen Abhängigkeit einzudämmen.
Nach Einschätzung des Öko-Instituts ließen sich durch eine stärkere Elektrifizierung von Verkehr, Industrie und Wärmeversorgung auf Dauer etwa 30 Milliarden Euro pro Jahr an fossilen Energieimportkosten vermeiden. Das entspräche fast 40 % der heutigen Importkosten Deutschlands.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
- Die EU zahlte 2025 netto 296 Milliarden Euro, brutto 399 Milliarden Euro für Energieimporte.
- 2022 erreichten Deutschlands Importkosten mit 143 Milliarden Euro ihren bisherigen Höchststand.
- Die importierte Energiemenge Deutschlands sank zwischen 2015 und 2025 um ein Viertel.
Für Verbraucher bedeutet die anhaltend hohe Importsumme, dass Strom- und Energiepreise weiterhin stark von internationalen Öl- und Gasmärkten abhängen. Ein geringerer Importbedarf durch Elektrifizierung könnte diese Schwankungsanfälligkeit nach Einschätzung des Öko-Instituts spürbar verringern.



