8,8 Milliarden Euro Steuerausfall: Wie Betriebsvermögen bei der Erbschaftsteuer verschont wird
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Für das Jahr 2026 beziffert die Bundesregierung die Mindereinnahmen durch die Verschonung von Betriebsvermögen bei der Erbschaftsteuer auf 8,8 Milliarden Euro. Nach einer Analyse des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) ist diese Regelung damit die größte Steuervergünstigung in Deutschland.
8,8 Milliarden Euro Mindereinnahmen entsprechen 70 % des Erbschaftsteueraufkommens
Das entspricht rund 70 % des gesamten Steueraufkommens aus Erbschaften und Schenkungen in diesem Jahr. Die Mindereinnahmen machen zugleich 2,1 % der gesamten Steuereinnahmen der Bundesländer aus, denen die Erbschaftsteuer zufließt.
Zwischen 2009 und 2020 summierten sich die Einnahmeausfälle der Länder durch die Betriebsvermögensschonung laut IMK auf rund 70 Milliarden Euro. Über mehr als ein Jahrzehnt ist damit ein erheblicher Teil möglicher Länderhaushalte durch die Regelung entfallen.
Betriebsvermögen konzentriert sich bei den reichsten Haushalten
Der IMK-Analyse zufolge halten 32,5 % des reichsten Zehntels der Bevölkerung Betriebsvermögen, beim reichsten Hundertstel sind es 58,8 %. Bei den oberen zehn Prozent der Vermögensverteilung macht Betriebsvermögen rund ein Fünftel des Bruttovermögens aus, beim reichsten Hundertstel liegt der Anteil bei 37,5 %.
Zugleich gehören 98 % aller nicht börsennotierten Aktien und Unternehmensanteile dem obersten Zehntel der Bevölkerung, davon 80,1 % allein dem obersten Hundertstel.
Daneben verfügt fast vier von fünf Haushalten des reichsten Hundertstels über sonstiges Privatvermögen, das über ein Drittel ihres Gesamtvermögens ausmacht; beim reichsten Zehntel sind es rund 90 %. Betriebsvermögen ist also nur ein Teil eines insgesamt sehr ungleich verteilten Vermögens.
Katja Rietzler vom IMK hält die Verschonung für ökonomisch unnötig
Laut IMK wirkt die Erbschaftsteuer durch die Betriebsvermögensregelung in Teilen regressiv: Große Vermögen werden dadurch schwächer besteuert als kleinere Erbschaften ohne Betriebsvermögen.
Diese Verteilung fällt vor dem Hintergrund einer insgesamt hohen Vermögensungleichheit auf. Deutschland hatte Ende 2025 die dritthöchste Vermögensungleichheit im Euroraum, nach Finnland und Österreich. Im ersten Quartal 2026 verfügte das reichste Zehntel der Bevölkerung über etwa 60 % des gesamten Nettovermögens, das reichste Hundertstel über mehr als ein Viertel.