Grundsicherung in der Familie: Warum Jugendliche aus Bezieherhaushalten seltener eine Ausbildung schaffen
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Nur 24 % der Jugendlichen aus Familien mit mindestens einjährigem Bezug von Grundsicherung nach SGB II befanden sich mit 19 Jahren in einer Ausbildung – deutlich seltener als Jugendliche aus Familien mit kürzerem Leistungsbezug. Das zeigt eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.
Die Auswertung stützt sich auf Verwaltungsdaten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit, die den Zeitraum 2008 bis 2010 abdecken. Betrachtet wurden Jugendliche, die im Alter von 12 bis 15 Jahren in Haushalten mit SGB-II-Bezug lebten. Die Zahlen liefern damit einen länger zurückliegenden, aber grundlegenden Befund zum Zusammenhang zwischen Grundsicherung und Bildungschancen von Kindern.
Wie groß ist der Unterschied bei den Ausbildungschancen?
Der Unterschied zur Gruppe mit kürzerem elterlichem Leistungsbezug beträgt vier Prozentpunkte: Dort lag der Anteil bei 28 %. Jugendliche mit kürzerem elterlichem Leistungsbezug befanden sich demnach deutlich häufiger in einer Ausbildung als Jugendliche aus Familien mit längerem Bezug.
Ab dem Alter von 20 Jahren setzt sich dieses Muster fort: Bei längerem elterlichem Leistungsbezug sinkt zusätzlich der Anteil derer, die eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen.
Wirkt sich das auch auf das spätere Erwerbsleben aus?
Wer in der Jugend längere Zeit auf SGB-II-Leistungen angewiesen war, trägt demnach ein höheres Risiko, auch als Erwachsener erneut Grundsicherung zu beziehen. Die Daten zeigen damit nicht nur einen Unterschied in der Ausbildungsphase, sondern eine Verbindung, die bis ins Erwerbsleben reicht.
Warum warnt die Bundesregierung vor voreiligen Schlüssen?
Die Bundesregierung betont, dass es sich um statistische Zusammenhänge handelt, die nicht als direkte Folge des elterlichen Leistungsbezugs gewertet werden dürfen. Schon die Ausgangslage unterscheidet sich zwischen beiden Gruppen: Familien mit längerem Leistungsbezug weisen etwa häufiger abweichende Bildungs- und Berufsabschlüsse der Eltern sowie einen anderen Migrationshintergrund auf als Familien mit kürzerem Bezug.
Solche Unterschiede wirken sich möglicherweise auf die Ausbildungs- und Erwerbschancen der Kinder aus, unabhängig davon, wie lange die Familie Leistungen bezogen hat.
Die Zahlen beschreiben damit eine Korrelation, keine nachgewiesene Ursache. Wer die Ausbildungschancen von Kindern in der Grundsicherung verbessern will, muss nach dieser Einordnung also auch die familiäre Ausgangslage mitdenken.