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Startseite Erklärt Warum liegen Konjunkturprognosen oft daneben?

Warum liegen Konjunkturprognosen oft daneben?

Weil Prognosen auf unvollständigen Daten beruhen, Schocks nicht vorhersehbar sind und sinkende Trendwachstumsraten spät auffallen. Für das Folgejahr lag der mittlere Fehler in einer ifo-Auswertung bei fast 1,5 Prozentpunkten.

Prognosen liegen daneben, weil sie auf Daten aufbauen, die noch nicht vollständig sind, und weil Ereignisse wie Krisen sich nicht vorhersehen lassen. Mit dem Abstand zum Ziel wächst der Fehler stark, das zeigen die Zahlen einer ifo-Auswertung.

So groß war der Fehler

Timo Wollmershäuser vom ifo Institut hat 2017 die Gemeinschaftsdiagnose der Forschungsinstitute und die Prognosen des Bundeswirtschaftsministeriums mit den ersten amtlichen Jahreszahlen verglichen. Die Tabelle zeigt den mittleren absoluten Fehler beim realen BIP in Prozentpunkten, unabhängig davon, ob die Prognose zu hoch oder zu niedrig lag:

Abstand zum Jahresende Typische Prognose Institute Ministerium
2 Quartale Herbst für das laufende Jahr 0,13 0,24
4 Quartale Frühjahr für das laufende Jahr 0,61 0,49
6 Quartale Herbst für das nächste Jahr 1,02 1,08
8 Quartale Frühjahr für das nächste Jahr 1,43 1,44

Lesen Sie eine solche Prognose daher als Spanne. Sagt ein Frühjahrsgutachten für das Folgejahr 1,0 Prozent voraus, bedeutet ein Fehler dieser Größe grob: Ein Wert zwischen minus 0,4 und plus 2,4 Prozent wäre nicht ungewöhnlich. Das reicht von einer leicht schrumpfenden bis zu einer klar wachsenden Wirtschaft.

Die Institute und das Ministerium irren ähnlich

Auch ein paar Tage mehr Daten helfen kaum. Das Ministerium schließt seine Projektion meist etwa eine Woche nach dem Gutachten der Institute ab, schnitt aber nicht besser ab. Beim kürzesten Abstand war sein Fehler sogar fast doppelt so hoch. Das Problem scheint also nicht an einzelnen Prognostikern zu liegen, sondern an der Aufgabe.

Warum gerade die langen Prognosen zu optimistisch sind

Im Durchschnitt heben sich zu hohe und zu niedrige Prognosen nicht auf. Beim längsten Abstand lagen die Prognosen beim realen BIP im Schnitt über den tatsächlichen Werten, beim Ministerium um 0,63 und bei den Instituten um 0,45 Prozentpunkte, wobei die Auswertung nur den Wert des Ministeriums als statistisch gesichert ausweist. Der Autor verweist auf einen Mechanismus: Sinkt das langfristige Trendwachstum einer Wirtschaft, wird das zunächst als vorübergehende Schwäche gedeutet. Die Prognostiker lassen das Wachstum daher wieder zum alten Trend zurückkehren. Erst später zeigt sich, dass dieser Trend nicht mehr gilt. Deutschlands Trendwachstum fiel von über 3 Prozent Anfang der 1990er-Jahre auf unter 1 Prozent in den Jahren 2009 bis 2012, was erst mit Verzögerung erkannt wurde.

Der häufige Irrtum: Eine Prognose ist eine Vorhersage auf die Stelle genau

Die Angabe „1,3 Prozent“ wirkt präzise, ist aber der mittlere Wert einer breiten Verteilung. Hinzu kommt, dass das Ziel selbst wandert. Die obigen Fehler beziehen sich auf die erste amtliche Zahl, und auch die wird später überarbeitet. So verschob Destatis 2026 das Wachstum 2024 von minus 0,5 auf 0,0 Prozent. Eine Prognose kann also gemessen an der ersten Zahl falsch sein und gemessen an der späteren richtig, oder umgekehrt.

Warum man trotzdem prognostiziert

Die Projektionen der Bundesregierung sind die Grundlage für die Steuerschätzung, für die Meldungen an die EU und für die Kreditobergrenze der Schuldenbremse. Ohne Annahme zum Wachstum lässt sich kein Haushalt aufstellen. Für Sie als Leser folgt daraus: Vergleichen Sie Richtung und Änderung der Prognosen und achten Sie darauf, für welches Jahr sie gelten. Eine Prognose für das laufende Jahr im Herbst ist deutlich verlässlicher als eine für das nächste Jahr im Frühjahr.

Quellen

Stand: November 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder Rentenberatung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

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