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Startseite Erklärt Warum liegt die Maastricht-Grenze bei 60 Prozent?

Warum liegt die Maastricht-Grenze bei 60 Prozent?

Eine feste wissenschaftliche Grenze steckt nicht dahinter. Die 60 Prozent passen rechnerisch zu 3 Prozent Defizit bei 5 Prozent nominalem Wachstum und lagen nach einer Deutung in den Verhandlungen nahe dem damaligen Durchschnitt der Staaten.

Die 60 Prozent markieren keinen Punkt, ab dem Staaten nachweislich in Schwierigkeiten geraten. Die Zahl passt rechnerisch zur Defizitgrenze von 3 Prozent, wenn die Wirtschaft nominal um 5 Prozent wächst, und sie lag in den Verhandlungen zur Währungsunion offenbar nahe am damaligen Schuldendurchschnitt.

Die Rechnung: 3 und 60 gehören zusammen

Das Protokoll zum Verfahren bei einem übermäßigen Defizit gehört zu den EU-Verträgen und nennt zwei Referenzwerte: 3 Prozent Defizit und 60 Prozent Schuldenstand, jeweils gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die Verbindung sehen Sie an einem einfachen Beispiel, bei dem das Defizit vereinfacht am Vorjahres-BIP gemessen wird:

Start 5 Prozent Wachstum 2 Prozent Wachstum
BIP 100 105 102
Neue Schulden – 3 3
Schulden 60 63 63
Schuldenquote 60,0 Prozent 60,0 Prozent 61,8 Prozent

Bei 5 Prozent nominalem Wachstum, etwa 3 Prozent real und 2 Prozent Inflation, hält ein Defizit von 3 Prozent die Quote also genau bei 60. Das ist die Annahme, die Carlos Marinheiro im Blog des portugiesischen Rats für öffentliche Finanzen beschreibt. Wächst das BIP langsamer, steigt die Quote trotz eingehaltener Defizitgrenze. Beide Werte stimmen demnach nur unter einer bestimmten Wachstumsannahme überein.

Warum gerade 60 und nicht 50 oder 70?

Das Zahlenpaar erklärt nur, warum beide Werte zueinander passen, nicht warum man bei 60 begann. Mit 40 Prozent Schuldenstand und 2 Prozent Defizit ginge die Rechnung genauso auf. Eine zweite Erklärung liefern Dieter Plehwe und Moritz Neujeffski. Sie halten die Zahl für eine ohne wissenschaftliche Grundlage gesetzte Marke und berufen sich auf den Ökonomen Luigi Pasinetti, nach dessen Deutung 60 Prozent ungefähr dem durchschnittlichen Schuldenstand der Mitgliedstaaten während der Verhandlungen entsprach. Das ist eine Deutung, kein amtlich festgehaltener Beweggrund. Eine Rechnung, die aus den Folgen für die Wirtschaft genau 60 Prozent ableitet, nennen beide Quellen nicht.

Der häufige Irrtum: Ab 60 Prozent wird es gefährlich

Überschreitet ein Staat die 60 Prozent, kippt nichts automatisch. Der Wert ist ein Referenzwert, an den ein Überwachungsverfahren anknüpft: Die EU-Staaten melden Defizit und Schulden zweimal im Jahr, Eurostat prüft die Daten, und Kommission und Rat bewerten die Lage in vorgegebenen Fristen. Am Ende können Geldbußen stehen, doch der Weg dorthin führt über politische Entscheidungen. Österreich etwa lag Ende 2025 nach Angaben der Bundesfinanzierungsagentur OeBFA bei 81,5 Prozent.

Auch die Umkehrung gilt nicht. Unter 60 Prozent ist ein Staat nicht automatisch sicher. Was er tragen kann, hängt ebenso von Zinsen, Wachstum, der Laufzeit seiner Schulden und dem Vertrauen der Anleger ab.

Warum die Zahl trotzdem bleibt

Ein fester Bezugspunkt hat Vorteile: Er ist für alle Staaten gleich und leicht nachzurechnen. Die Annahme dahinter hat jedoch Gewicht. Wächst die Wirtschaft dauerhaft langsamer als die gedachten 5 Prozent, zeigt die Tabelle die Folge: Bei 2 Prozent Wachstum reichen 3 Prozent Defizit aus, um die Quote weiter nach oben zu schieben.

Quellen

Stand: November 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder Rentenberatung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

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