1,3 Prozent Wachstum 2026: Warum die Wachstumsprognose trotzdem skeptisch macht
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In ihrer aktuellen Herbstprognose erwarten die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute für das laufende Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,3 Prozent. Dieser Wert übertrifft die Erwartungen aus dem Frühjahr deutlich, als die Ökonomen noch von einem deutlich geringeren Plus ausgingen. Trotz dieser positiven Dynamik betonen die Experten, dass der Aufschwung auf einem instabilen Fundament steht, da die deutsche Wirtschaft weiterhin von tiefgreifenden strukturellen Problemen belastet wird.
Deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute prognostizieren 1,3 Prozent Wachstum
Das Wachstum im ersten Halbjahr verdankt die Bundesrepublik in erster Linie einem starken Außenhandel. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes und der Institute stützten die anziehenden Exporte die Konjunktur maßgeblich. Allerdings verlor die Aufwärtsbewegung im späteren Verlauf des Jahres wieder an Fahrt: Im dritten Quartal schwächte sich das Wirtschaftswachstum unter anderem durch temporäre Faktoren wie Niedrigwasser auf wichtigen Schifffahrtswegen spürbar ab, sodass von einer kontinuierlich stabilen Quartalsentwicklung keine Rede sein kann.
Deutliche Aufwärtskorrektur im Vergleich zur Frühjahrsprognose
Die neuen Zahlen bedeuten eine spürbare Korrektur der bisherigen Erwartungen. Noch im Frühjahr 2026 sowie im Herbst des Vorjahres waren die Wirtschaftsforschungsinstitute von einem mageren Zuwachs von lediglich 0,6 Prozent für das laufende Jahr ausgegangen. Die Anhebung auf mehr als das Doppelte stellt somit eine der massivsten Anpassungen der jüngeren Vergangenheit dar. Auch für das Jahr 2027 zeigen sich die Ökonomen optimistischer und rechnen nun mit einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 1,1 Prozent, nachdem zuvor 0,9 Prozent prognostiziert worden waren.
Außenhandel als Stütze – Binnenwirtschaft bleibt das Sorgenkind
Der Aufschwung wird jedoch einseitig getragen: Während der Exportmotor läuft, verharren der private Konsum und die Investitionen der Unternehmen auf einem schwachen Niveau. Nach Analysen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) basiert das Wachstum der Bundesrepublik seit nunmehr sechs Jahren primär auf staatlichen Ausgaben. Zwischen 2020 und 2025 steuerten Staatskonsum und öffentliche Investitionen jährlich im Schnitt 0,6 Prozentpunkte zum Wachstum bei. Ohne diesen staatlichen Impuls wäre die Wirtschaftsleistung geschrumpft, da das reale Gesamtwachstum in diesem Zeitraum bei durchschnittlich gerade einmal 0,2 Prozent pro Jahr lag.
Im dritten Quartal 2026 legte die wirtschaftliche Erholung plangemäß eine Pause ein. Die Konsumlaune der Bürger sackte spürbar ab: Der vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) erhobene Konsumklimaindikator für Oktober fiel Ende September um 3,8 Zähler auf einen Tiefstand von minus 30,6 Punkten. Verantwortlich für diesen Einbruch sind laut den Marktforschern eine massiv gestiegene Sparneigung sowie schwindende Einkommenserwartungen der Verbraucher. Zudem belasten die wieder anziehenden Energiekosten die Kaufkraft der Haushalte und bremsen den privaten Verbrauch zusätzlich aus.
Fachleute erwarten ab 2027 abkühlendes Wachstum
Für 2028 rechnen die Institute nur noch mit einem Wachstum von 0,4 %. Als Grund nennen sie das schrumpfende Erwerbspersonenpotenzial infolge der demografischen Entwicklung. Das durchschnittliche Potenzialwachstum Deutschlands bis 2031 werde dadurch auf nur noch 0,3 % pro Jahr sinken, während das Arbeitsvolumen um 0,5 % pro Jahr zurückgehe.
Auf globaler Ebene erwarten die Wirtschaftsforscher für 2026 ein Weltwirtschaftswachstum von 2,6 %, das sind 0,2 Prozentpunkte weniger als 2025. Für 2027 und 2028 rechnen sie mit jeweils demselben Wert von 2,5 Prozent globalem Wachstum.
Massive Investitionen in KI-Infrastruktur und steigende Verteidigungsausgaben stützen die Konjunktur, während der Krieg am Golf und der US-Protektionismus sie bremsen. Die Institute empfehlen zudem, die Haushaltskonsolidierung bereits 2027 vorzubereiten und dabei eher über Ausgabenkürzungen als über Steuererhöhungen zu finanzieren.
Für Verbraucher und Betriebe bedeutet das: Die bessere Wachstumsprognose für 2026 beruht größtenteils auf Exporten und Staatsausgaben, nicht auf einer breiten Erholung. Solange Konsum und Investitionen schwach bleiben, dürfte sich die Zurückhaltung bei Anschaffungen und Investitionsentscheidungen kaum ändern, bevor die Arbeitslosigkeit ab 2027 wieder sinken soll.
Zusammenfassung in Zahlen
- 2026 werden 1,3 % Wachstum erwartet, nach zuvor prognostizierten 0,6 %.
- 2027 sollen es 1,1 % werden, 2028 nur noch 0,4 %.
- Die Exporte stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 3,7 %.
- Das Konsumklima fiel im September 2026 auf minus 30,6 Punkte.
- Das Potenzialwachstum bis 2031 liegt bei durchschnittlich nur 0,3 % pro Jahr.