2 Zentimeter Pegel am Rhein: Warum Frachtkosten jetzt das Dreifache kosten
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Ende September 2026 fiel der Pegelstand des Rheins bei Kaub auf nur noch zwei Zentimeter. Kaub gilt als wichtigster Gradmesser für die Auswirkungen des Niedrigwassers auf die Industrie am Rhein, weil die Fahrrinne dort besonders schmal ist. An mehreren Messstationen in Nordrhein-Westfalen wurden zum gleichen Zeitpunkt historische Tiefstände erwartet.
Die Folgen zeigen sich seit Wochen im Alltag der Schifffahrt: Frachtschiffe können nur noch mit deutlich reduzierter Ladung fahren, um nicht aufzulaufen. Mehrere Flusskreuzfahrt-, Ausflugs- und Fährschiffe mussten ihren Betrieb zwischenzeitlich sogar vollständig einstellen.
Woher die Zahl stammt
Am deutlichsten zeigen sich die gestiegenen Transportkosten am Rhein bei der Strecke zwischen Rotterdam und Karlsruhe. Dort stiegen die Frachtkosten seit Ende Juni 2026 von rund 45 Euro je Tonne auf 150 bis 160 Euro je Tonne, also auf mehr als das Dreifache.
Eine Umfrage der IHK Rheinhessen unter Unternehmen am Rhein ergab, dass 72 % der Teilnehmer vom Niedrigwasser betroffen sind. Von diesen melden 78 % höhere Kosten, und fast drei Viertel haben ihre Logistik bereits umgestellt, etwa durch andere Verkehrsträger oder Lagerhaltung.
Der Vergleich mit 2018
Wie stark das Niedrigwasser die Kosten treibt, zeigt der Vergleich mit dem bislang schwersten Niedrigwasserjahr 2018. Damals wurde der volkswirtschaftliche Schaden auf rund 2,4 Milliarden Euro beziffert. Für das dritte Quartal 2026 rechnen Beobachter damit, dass das Bruttoinlandsprodukt durch das aktuelle Niedrigwasser um 0,1 bis 0,2 % gedämpft werden könnte – ein kleiner, aber spürbarer Dämpfer für die ohnehin schwache Konjunktur.
Woran das liegt
Bei über der Hälfte der befragten Unternehmen sind die Logistikkosten bereits um mindestens 25 % gestiegen, bei einem Drittel sogar um 50 % oder mehr. Fast ein Drittel der betroffenen Betriebe schränkt deshalb schon die Produktion ein, 6 % haben einzelne Prozesse vollständig gestoppt.
13 % der Unternehmen sehen inzwischen die Existenz ihres Standortes gefährdet, weil Rohstoffe oder Vorprodukte nicht mehr rechtzeitig oder nur zu stark erhöhten Kosten ankommen.
Was Fachleute erwarten
Verkehrsexperten wie Nicole Rabold warnen vor drastischen Konsequenzen, sollten sich die Flussstände weiter verschlechtern. Fällt beispielsweise der Kölner Pegel unter die kritische Marke von 78 Zentimetern, drohen der regionalen Industrie spürbare Versorgungsengpässe bei wichtigen Rohstoffen. Rutscht der Pegel am Nadelöhr Kaub wiederum unter 40 Zentimeter, ist laut Rabold überhaupt keine wirtschaftlich sinnvolle Binnenschifffahrt mehr möglich. Damit bleibt der Rhein als Transportweg für Industrie und Handel auch in den kommenden Monaten ein erheblicher Risikofaktor für die Kostenentwicklung.