Großbestellung statt Einzelkauf: Wie die Paketsteuer das Kaufverhalten verändert
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Seit Oktober gilt in Österreich eine Paketsteuer von 2,40 Euro pro Bestellung. Betroffen sind nicht nur große Online-Händler, sondern laut Handelsverband auch der stationäre Handel, weil Kunden ihr Kaufverhalten ändern.
Die Abgabe gilt seit 1. Oktober 2026. Sie trifft Versandhändler mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz in Österreich und soll die seit 1. Juli geltende Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel mitfinanzieren. Mehrere Unternehmen reagieren unterschiedlich auf die neue Kostenlast, und der Handelsverband hat inzwischen die EU-Kommission eingeschaltet.
Wie hoch ist die Paketsteuer und wer zahlt sie?
Die Steuer beträgt zwei Euro netto, mit Umsatzsteuer 2,40 Euro je Paket oder Bestellung. Versandhändler können wählen, ob sie pro Paket oder pro Bestellung abrechnen. Amazon, Otto Österreich und Zalando haben sich für die Abrechnung pro Bestellung entschieden. Bei Spar-Abo-Lieferungen fällt die Steuer nur bei der ersten Bestellung an, nicht bei den folgenden.
Von der Abgabe sind 15 größere Online-Händler und Marktplätze unmittelbar erfasst, etwa Amazon, Temu, Zalando, Shop-Apotheke, Ebay, Otto, Best Secret, AliExpress, Mediamarkt, Apple, Universal, Ikea, Shein und XXXLutz.
Refurbed und shöpping.at liegen unter der Umsatzschwelle von 100 Millionen Euro und zahlen deshalb nicht. Zusätzlich sind laut Handelsverband rund 4.000 österreichische Betriebe betroffen, die über große Online-Marktplätze verkaufen.
- Ikea gibt die Paketsteuer nicht an Kunden weiter.
- Shop-Apotheke verzichtet ebenfalls auf eine Weitergabe.
- XXXLutz übernimmt die Kosten selbst.
- Otto und Universal tragen die Steuer bis zum 11. Oktober.
Warum trifft die Abgabe auch den Handel vor Ort?
Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will berichtet von ersten Meldungen, wonach Kunden statt mehrerer kleiner Käufe im Geschäft nun Großbestellungen bei Online-Plattformen tätigen. So verteilt sich die Paketsteuer auf mehr Produkte pro Sendung. Ergänzungskäufe, die sonst im stationären Handel landen, fallen dadurch weg.
Amazon, Otto Österreich und Zalando erstatten die Paketsteuer bei vollständigen und zeitnahen Retouren. Das kann das Bestellverhalten zusätzlich in Richtung großer Sammelbestellungen lenken, da Kunden einzelne Artikel bei Nichtgefallen zurücksenden, ohne die Abgabe dauerhaft zu zahlen.
Rechenbeispiel
Aus den erwarteten 280 Millionen Euro Jahreseinnahmen und der Abgabe von 2,40 Euro pro Bestellung lässt sich die zugrunde gelegte Zahl besteuerter Sendungen überschlagen: 280.000.000 Euro geteilt durch 2,40 Euro ergeben rund 116,7 Millionen Bestellungen, für die das Finanzministerium die Steuer im Jahr einplant.
Ein durchschnittlicher Haushalt spart laut Handelsverband durch die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel zugleich etwa sechs Euro im Monat, also rund 72 Euro im Jahr – eine andere Rechnungsbasis als die Paketsteuer je Bestellung.
Was sagen Handelsverband und Online-Händler zur Paketsteuer?
Der Handelsverband und die Wirtschaftskammer lehnen die nationale Paketsteuer ab. Will kritisiert, dass die Abgabe nicht nur ausländische, sondern auch österreichische und europäische Onlinehändler belastet. Nach seiner Einschätzung drohen dadurch ein spürbarer Dämpfer für die Wirtschaftsleistung sowie der Abbau von beinahe 2.900 Stellen hierzulande.
Deshalb wandte sich der Handelsverband am Dienstag mit einer Beschwerde wegen Verstößen gegen den Binnenmarkt an die Europäische Kommission. Er wirft der Paketsteuer Verstöße gegen den freien Warenverkehr und die Dienstleistungsfreiheit vor sowie einen verbotenen mittelbaren steuerlichen Protektionismus.
Der Verband fordert die Kommission auf, ein Vertragsverletzungsverfahren zu prüfen, und verlangt von der Bundesregierung die Rücknahme der Abgabe.
Zalando hatte bereits am 20. August 2026 eine Klage gegen das Paketsteuergesetz beim Verfassungsgerichtshof eingebracht. Amazon und Zalando sehen rechtliche Mängel in der Regelung und streben eine gerichtliche Klärung an.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.