14 Milliarden Kubikmeter Gas fehlen laut IEEFA: Warum Europas Speicher so leer sind
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Europa startet mit historisch niedrigen Gasreserven in den Winter. Berechnungen des IEEFA zufolge droht der Europäischen Union eine Versorgungslücke von bis zu 14 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Grund ist der niedrigste saisonale Speicherstand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011.
Die Lücke in Zahlen
Die Speicher liegen derzeit bei rund 70 % Füllstand. Die fehlende Menge entspricht laut IEEFA etwa 7 % des jährlichen Gasbedarfs der EU. Je nach Rechnung deckt dieses Volumen den Energieverbrauch von 10 bis 12 Millionen Haushalten. Hohe Gaspreise hatten zuvor dazu geführt, dass Händler Vorräte verkauften, statt sie für den Winter einzulagern.
Deutschland im Vorjahresvergleich
In Deutschland zeigt sich die Entwicklung noch deutlicher: Mitte September lagen die Gasspeicher bei 56 % Füllstand, ein Jahr zuvor waren es 75 %. Bereits im Februar standen die Speicher bei nur einem Fünftel, am 13. Juli bei knapp 45 % – gegenüber 55 % im Vorjahr.
Einzelne Standorte liegen noch tiefer: Der Speicher Rehden in Niedersachsen war Mitte September erst zu knapp 10 % gefüllt, während die von Uniper betriebenen Speicher zu 75 % tatsächlich gefüllt und zu 98 % gebucht waren.
Woran es liegt
Interne Protokolle des Bundeswirtschaftsministeriums zeigen, dass Beamte des Finanzministeriums bereits im Juli vor Mengenknappheit warnten, während das Wirtschaftsministerium die Lage abwiegelte. Noch am 13.
Mai erst bei 28 % lag. Intern galt die Marke von 70 % ab Anfang August im Ministerium nur noch bei sehr optimistischer Annahme als machbar, während Fachleute zuvor eine Spanne von 65 bis 70 % zum Stichtag 1. November angesetzt hatten.
Die Gasspeicherfüllstandsverordnung schreibt zu diesem Stichtag bundesweit etwa sieben Zehntel Füllstand vor, für Kavernenspeicher 80 %. Die Preisentwicklung macht das Einlagern zusätzlich unattraktiv: Der europäische Terminkontrakt TTF notierte Mitte September über 83 Euro je Megawattstunde, im Mai hatte der Preis noch bei rund 45 Euro gelegen.
Laut Berechnung der Initiative Energien Speichern bedeutet aktuelles Einspeichern einen rechnerischen Verlust von 3,14 Euro je Megawattstunde; binnen vier Monaten stieg dieser Wert um 38 Euro, sodass Lagerung inzwischen teurer kommt als der spätere Bezug am Markt.
Was Verbraucher erwarten könnten
Die Einrichtung ENTSOG weist auf mögliche Engpässe hin: Fällt der Winter kalt aus und bleiben LNG-Importe begrenzt, könnten die Speicherstände bis auf 11 % absinken. Dann könnten laut der Einrichtung Einsparungen beim Gasverbrauch nötig werden, betroffen wären vor allem energieintensive Unternehmen und private Haushalte.
Ein tatsächlicher Mangel gilt zwar nicht als zwangsläufig, höhere Preise und mehr Wettbewerb um verfügbare Lieferungen aber schon. Die Folgen zeigen sich bereits bei Verbrauchern: Neu abgeschlossene Gasverträge kosteten Mitte September elf Cent je Kilowattstunde, nach noch 8,2 Cent im Februar. Im Zeitraum Januar bis August 2026 bezog die EU Importmengen von rund 200 Milliarden Kubikmetern Gas.