Euro fällt auf 17-Monats-Tief: Warum Frankreichs Schulden an die Krise 2011 erinnern
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Gegenüber dem Dollar sackte der Euro zwischenzeitlich auf seinen niedrigsten Wert seit 17 Monaten ab. Auslöser war ein plötzlicher Anstieg der Renditen französischer Staatsanleihen, der Investoren verunsichert hat. Mehrere Tage nach diesem Schock meiden Anleger den Euro weiterhin.
Frankreichs Schuldenquote steigt auf 119,0 Prozent
Nach Angaben des französischen Statistikamts INSEE betrug die öffentliche Verschuldung Frankreichs Ende Juni 2026 insgesamt 3.595,5 Milliarden Euro. Das entspricht einer Schuldenquote von 119,0 % der Wirtschaftsleistung – im ersten Quartal 2026 hatte der Wert noch etwas niedriger gelegen.
Allein im zweiten Quartal wuchs die Schuldenlast um 59,6 Milliarden Euro. Das französische Wirtschaftsministerium rechnet für 2027 mit einer weiteren Zunahme auf 121,7 %.
Warum Investoren an die Krise von 2011 erinnert werden
Anfang Oktober kletterte die Verzinsung zehnjähriger französischer Staatsanleihen auf rund 5 % und erreichte damit ihren höchsten Wert seit dem Jahr 2002. Seit Anfang September hatte sie spürbar zugelegt, bevor sie sich bis zum 6. Oktober wieder auf rund 4,75 % zurückbildete.
Damit waren französische Staatsanleihen 2026 die schwächsten aller G10-Länder. Der Abstand zu deutschen Bundesanleihen gleicher Laufzeit betrug zuletzt 1,59 Prozentpunkte – ein Niveau, das laut Bloomberg zuletzt 2012 erreicht wurde, auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise.
An den Märkten werden deshalb offen Vergleiche zur Krise von 2011/12 gezogen. Der Fondsmanager Mark Dowding warnt, dass damals sogar der Zusammenbruch der gemeinsamen Währung möglich schien. Nach seiner Einschätzung entsteht am Anleihemarkt erneut ein Krisengefühl.
Frankreich ist der Ausreißer unter den großen Euro-Ländern
Der Vergleich mit anderen Euro-Staaten zeigt, wie ungewöhnlich die französische Entwicklung ist. Italien hat seine Schuldenquote seit 2020 um 15 Prozentpunkte gesenkt, Spanien sogar um ein Fünftel.
Wie Philippe Waechter vom Vermögensverwalter Ostrum Asset Management einordnet, steht Frankreich unter den vergleichbaren Euro-Staaten allein da: Nirgendwo sonst sei die Schuldenquote seit Beginn der Pandemie gestiegen. Auch zu den USA zieht sich das Bild auf: Dort kletterte die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen zuletzt auf 5,34 % – ebenfalls der höchste Stand seit 2002, allerdings aus anderen Gründen.
Was die Sparpläne der Regierung bewirken sollen
Die französische Regierung hat angekündigt, 2027 rund 54 Milliarden Euro einzusparen, um das Haushaltsdefizit auf 5 % des Bruttoinlandsprodukts zu senken. Ob das gelingt, hängt auch von politischen Mehrheiten in Paris ab, die solche Sparprogramme bislang erschwert haben.
Für Anleger bleibt entscheidend, ob sich die Risikoprämie auf französische Anleihen wieder zurückbildet oder ob der Renditeabstand zu Deutschland weiter steigt – davon dürfte abhängen, wie lange die Euro-Schwäche gegenüber dem Dollar anhält.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.